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Stundensatz berechnen als Freelancer: Formel, Beispiel & Branchen-Tabelle

Wie berechnest du deinen optimalen Stundensatz als Freelancer in der Schweiz? Die komplette Formel mit Sozialabgaben, Versicherungen und Betriebskosten — inklusive Branchenvergleich und Excel-Vorlage.

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einzly Redaktion
Steuer- & Finanzredaktion
8 Min. Lesezeit
2. März 2026

Den richtigen Stundensatz zu finden ist eine der schwierigsten Entscheidungen für Freelancer und Selbständige in der Schweiz. Setzt du ihn zu tief an, arbeitest du unter Wert und kannst deine Kosten nicht decken. Setzt du ihn zu hoch an, verlierst du Aufträge. Die gute Nachricht: Der optimale Stundensatz lässt sich rechnerisch ermitteln — wenn du weisst, welche Kosten du einkalkulieren musst.

In diesem Artikel zeigen wir dir die komplette Formel, rechnen ein konkretes Beispiel durch und geben dir eine Übersicht über branchenübliche Stundensätze in der Schweiz.


01Die Grundformel für den Stundensatz

Dein Stundensatz muss alle Kosten decken, die ein Angestellter nicht hat — plus einen Gewinn, der dein gewünschtes Nettoeinkommen ergibt. Die Formel:

FormelStundensatz = (Ziel-Jahreseinkommen + Sozialabgaben + Versicherungen + Betriebskosten + Gewinnmarge) ÷ fakturierbare Stunden pro Jahr

Jede dieser Komponenten schauen wir uns im Detail an:



02Verrechenbare vs. nicht-verrechenbare Stunden

Der grösste Fehler bei der Stundensatzberechnung: Nicht alle Arbeitsstunden sind verrechenbar. Du arbeitest auch ohne Auftrag — Akquise, Administration, Buchhaltung, Weiterbildung, Offerten schreiben. Diese Stunden kannst du keinem Kunden in Rechnung stellen.

Realistisch sind 60–70% verrechenbare Stunden. Die Berechnung:

PositionTage / Stunden
Kalendertage pro Jahr365
Minus Wochenenden−104
Minus Feiertage (Schweizer Durchschnitt)−9
Minus Ferien (4–5 Wochen)−25
Minus Krankheit / Ausfall−5
= Verfügbare Arbeitstage222
× 8 Stunden pro Tag= 1'776 Stunden
× 65% Auslastung (verrechenbar)= ca. 1'155 Stunden

Mit 1'155 verrechenbaren Stunden pro Jahr hast du eine realistische Basis. Anfänger sollten eher mit 60% (ca. 1'066 Stunden) rechnen, erfahrene Freelancer mit effizienter Akquise schaffen bis zu 70% (ca. 1'243 Stunden).

Häufiger FehlerRechne niemals mit 2'000 Stunden pro Jahr (= 50 Wochen × 40 Stunden). Das ist die theoretische Brutto-Arbeitszeit eines Angestellten, nicht die fakturierbare Zeit eines Freelancers. Mit 2'000 Stunden rechnest du deinen Stundensatz um 40–50% zu tief.


03Diese Kosten musst du einkalkulieren

Als Selbständiger in der Schweiz trägst du Kosten, die bei Angestellten der Arbeitgeber übernimmt. Diese musst du in deinem Stundensatz einpreisen:

1. Sozialabgaben (AHV/IV/EO)

Selbständige zahlen den gesamten AHV/IV/EO-Beitrag alleine — bei Angestellten teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Kosten je hälftig. Der Beitragssatz beträgt 2025/2026 insgesamt 10.0% auf Einkommen ab CHF 58'800 (sinkende Beitragsskala bei tieferem Einkommen). Dazu kommt die Verwaltungskostenpauschale der Ausgleichskasse (ca. 1–3% auf die Beiträge).

2. Berufliche Vorsorge (BVG / 2. Säule)

Selbständige sind nicht BVG-pflichtig, können sich aber freiwillig anschliessen. Wenn du dich versichern willst — was empfehlenswert ist —, trägst du die gesamten Beiträge selbst (bei Angestellten zahlt der Arbeitgeber mindestens die Hälfte). Rechne mit 10–15% des Einkommens, je nach Vorsorgeplan und Alter.

3. Säule 3a

Selbständige ohne BVG-Anschluss dürfen 2025/2026 bis zu 20% des Erwerbseinkommens, maximal CHF 36'288 in die Säule 3a einzahlen. Mit BVG-Anschluss sind es maximal CHF 7'258. Diese Beiträge sind steuerlich abzugsfähig und sollten in die Kalkulation einfliessen.

4. Versicherungen

  • Krankentaggeldversicherung: ca. CHF 1'500–3'000 pro Jahr (deckt Lohnausfall bei Krankheit — als Selbständiger gibt es keinen Arbeitgeber, der weiterzahlt)
  • Unfallversicherung (UVG): Selbständige sind nicht obligatorisch UVG-versichert, können sich aber freiwillig versichern (ca. CHF 1'000–2'500 pro Jahr)
  • Berufshaftpflichtversicherung: Je nach Branche CHF 300–1'500 pro Jahr

5. Betriebskosten

  • Büromiete oder Coworking (CHF 300–1'000/Monat)
  • Hardware (Computer, Monitor, Peripherie — als Abschreibung)
  • Software und Lizenzen (CHF 100–500/Monat)
  • Telefon und Internet (CHF 100–150/Monat)
  • Weiterbildung (CHF 1'000–3'000/Jahr)
  • Buchhaltung, Steuererklärung (CHF 500–2'000/Jahr, oder selbst mit einzly)
  • Marketing und Akquise (CHF 0–5'000/Jahr)


04Beispielrechnung: Stundensatz berechnen

Sarah ist selbständige UX-Designerin in Bern. Sie möchte netto CHF 80'000 pro Jahr verdienen (vergleichbar mit einem Bruttolohn von ca. CHF 100'000 als Angestellte). So berechnet sie ihren Stundensatz:

Schritt 1: Jahreskosten berechnen

PositionBetrag / Jahr
Gewünschtes NettoeinkommenCHF 80'000
AHV/IV/EO (10.0%)CHF 8'000
Freiwillige BVG-BeiträgeCHF 6'000
Säule 3aCHF 7'258
KrankentaggeldversicherungCHF 2'400
Unfallversicherung (freiwillig UVG)CHF 1'800
BerufshaftpflichtCHF 600
Coworking-Space (12 × CHF 500)CHF 6'000
Hardware (Abschreibung)CHF 1'500
Software und LizenzenCHF 3'600
Telefon / InternetCHF 1'440
WeiterbildungCHF 2'000
Marketing / WebsiteCHF 1'500
Buchhaltung (einzly-Abo)CHF 200
Gewinnmarge / Puffer (10%)CHF 12'230
Total JahreskostenCHF 134'528

Schritt 2: Fakturierbare Stunden berechnen

Sarah rechnet mit 65% Auslastung (sie ist seit 3 Jahren selbständig und hat einen soliden Kundenstamm): 222 Arbeitstage × 8 Stunden × 65% = 1'155 Stunden.

Schritt 3: Stundensatz berechnen

ErgebnisCHF 134'528 ÷ 1'155 Stunden = CHF 116.50 pro Stunde. Aufgerundet: CHF 120 / Stunde.

Sarah sollte also mindestens CHF 120 pro Stunde verlangen, um ihre Kosten zu decken, für die Vorsorge zu sparen und einen Puffer zu haben.



05Branchenübliche Stundensätze in der Schweiz

Die folgenden Stundensätze sind Richtwerte für erfahrene Freelancer in der Schweiz (2025/2026). Anfänger starten in der Regel 20–30% darunter, Spezialisten und Seniors können deutlich darüber liegen.

Branche / TätigkeitStundensatz (CHF)Tagessatz (CHF)
Softwareentwicklung140–2201'100–1'760
UX/UI-Design120–180960–1'440
Grafikdesign100–150800–1'200
Webdesign / Webentwicklung120–180960–1'440
Marketing / Social Media100–160800–1'280
Texten / Content Creation90–140720–1'120
Unternehmensberatung150–3001'200–2'400
Fotografie100–180800–1'440
Übersetzung80–130640–1'040
Buchhaltung / Treuhand100–160800–1'280
Tagessatz vs. StundensatzEin Tagessatz entspricht in der Regel 8 Stunden. Manche Freelancer gewähren bei Tages- oder Wochenbuchungen einen Rabatt von 5–10% gegenüber dem Stundensatz. Das ist optional — entscheide basierend auf deiner Auslastung und der Auftragsgrösse.


06Tipps zur Preisgestaltung

  1. Rechne von unten nach oben: Starte immer mit deinen tatsächlichen Kosten, nicht mit dem, was «die anderen verlangen». Dein Stundensatz muss deine individuelle Situation abdecken
  2. Vergiss die Vorsorge nicht: Viele Freelancer kalkulieren AHV und BVG nicht ein und wundern sich am Jahresende über hohe Nachzahlungen. Diese Kosten sind nicht optional
  3. Erhöhe regelmässig: Passe deinen Stundensatz jährlich an — mindestens um die Teuerung (LIK-Index). Bei zunehmender Erfahrung und Spezialisierung sind grössere Schritte gerechtfertigt
  4. Differenziere nach Kunde: Ein Startup mit kleinem Budget und ein Grosskonzern haben unterschiedliche Zahlungsbereitschaft. Viele Freelancer arbeiten mit 2–3 Preisstufen
  5. Projektpauschalen prüfen: Nicht jeder Auftrag muss nach Stunden abgerechnet werden. Bei klar definierten Projekten kann eine Pauschale für beide Seiten attraktiver sein — und du profitierst von deiner Effizienz. Als Coach z.B. sind Paketpreise für Coaching-Sessions ein bewährtes Modell
  6. Nie unter deinem Minimum: Kenne deinen Mindeststundensatz (= alle Kosten ohne Gewinnmarge ÷ Stunden) und gehe niemals darunter. Lieber einen Auftrag ablehnen als unter Kosten arbeiten

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Stundensatz-Kalkulation (Excel)

Excel-Vorlage mit Formeln zur Berechnung deines optimalen Stundensatzes

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07Häufige Fragen zum Stundensatz

Das hängt von deiner Branche, Erfahrung und deinem Kostenapparat ab. Als Faustregel: Ein Freelancer-Stundensatz in der Schweiz sollte mindestens CHF 90–100 betragen, um Sozialabgaben, Versicherungen und Betriebskosten zu decken. In vielen Branchen liegen die üblichen Sätze bei CHF 120–180.
Realistisch sind 60–70% deiner verfügbaren Arbeitszeit — also ca. 1'050 bis 1'250 Stunden pro Jahr. Der Rest geht für Akquise, Administration, Buchhaltung, Weiterbildung und Leerlaufzeiten drauf. Rechne nie mit 2'000 Stunden, das ist unrealistisch.
Nur wenn du MWST-pflichtig bist (ab CHF 100'000 Jahresumsatz aus steuerbaren Leistungen, MWSTG Art. 10). Wenn ja, schlägst du 8.1% MWST auf deinen Stundensatz auf. Bei Kunden im B2B-Bereich ist das neutral, da sie die MWST als Vorsteuer abziehen können.
Beides hat Vorteile. Der Stundensatz ist flexibler und transparent. Der Tagessatz eignet sich für längere Einsätze (z.B. Vor-Ort-Mandate). Viele Freelancer bieten beides an: Stundensatz für kurze Aufträge, Tagessatz (mit leichtem Rabatt) für Einsätze ab einem Tag.
Argumentiere mit dem Wert, den du lieferst, nicht mit deinen Kosten. Zeige konkrete Ergebnisse, Referenzen oder den ROI deiner Arbeit. Wenn der Kunde grundsätzlich nicht zahlungsbereit ist, ist er wahrscheinlich nicht dein Zielkunde. Unter deinem Mindeststundensatz zu arbeiten schadet dir langfristig.
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