Als Selbständiger in der Schweiz entscheidest du selbst, welche Zahlungsbedingungen du auf deinen Rechnungen festlegst. Die Wahl der richtigen Zahlungsfrist beeinflusst deine Liquidität direkt: Je kürzer die Frist, desto schneller fliesst das Geld. Gleichzeitig müssen die Bedingungen fair sein und den gesetzlichen Rahmen einhalten.
In diesem Artikel erfährst du, welche gesetzlichen Grundlagen gelten, welche Fristen in der Schweiz üblich sind und wie du Zahlungsbedingungen formulierst, die deine Kunden verstehen — und einhalten.
01Gesetzliche Grundlage (OR Art. 75 ff.)
Das Schweizer Obligationenrecht (OR) regelt die Fälligkeit von Forderungen in den Artikeln 75 bis 83. Die wichtigsten Punkte:
- OR Art. 75: Eine Forderung ist sofort fällig, wenn kein anderer Zeitpunkt vereinbart wurde. Das heisst: Ohne explizite Zahlungsfrist auf der Rechnung ist die Zahlung theoretisch sofort geschuldet.
- OR Art. 76: Ist eine Frist nach Monaten bestimmt, gilt der entsprechende Tag des Fälligkeitsmonats. Fehlt dieser Tag (z.B. der 31. in einem Monat mit 30 Tagen), gilt der letzte Tag des Monats.
- OR Art. 77: Fristen werden ab dem auf die Rechnungsstellung folgenden Tag berechnet.
- OR Art. 102: Der Schuldner kommt in Verzug, wenn er nach Mahnung oder nach Ablauf eines bestimmten Verfalltags nicht zahlt.
02Übliche Zahlungsfristen in der Schweiz
In der Schweizer Geschäftspraxis haben sich bestimmte Zahlungsfristen als Standard etabliert. Welche Frist du wählst, hängt von deiner Branche, deiner Kundenstruktur und deiner Liquiditätssituation ab.
| Zahlungsfrist | Verbreitung | Geeignet für |
|---|---|---|
| 10 Tage | Selten (mit Skonto) | Kleine Beträge, Stammkunden |
| 14 Tage | Häufig bei Freelancern | Dienstleistungen, Kleinunternehmen |
| 20 Tage | Verbreitet | KMU, regelmässige Aufträge |
| 30 Tage | Standard (am häufigsten) | B2B-Geschäft, grössere Aufträge |
| 60 Tage | Selten, bei Grosskunden | Konzerne, öffentliche Hand |
| 90 Tage | Sehr selten | Nur mit sehr guten Gründen |
Die 30-Tage-Frist ist in der Schweiz der De-facto-Standard. Als Selbständiger kannst du aber durchaus kürzere Fristen setzen. Viele Freelancer und Kleinunternehmer arbeiten erfolgreich mit 14 oder 20 Tagen — das verbessert den Cashflow spürbar.
03Skonto: Frühzahlungsrabatt als Anreiz
Skonto ist ein Preisnachlass für schnelle Zahlung. Du bietest dem Kunden einen kleinen Rabatt an, wenn er die Rechnung vor Ablauf der regulären Zahlungsfrist bezahlt. Das ist eine bewährte Methode, um die Liquidität zu verbessern.
Typische Skonto-Staffeln in der Schweiz:
| Formulierung | Bedeutung |
|---|---|
| 2% Skonto bei Zahlung innert 10 Tagen | Häufigste Variante |
| 3% Skonto bei Zahlung innert 5 Tagen | Für schnelle Zahler |
| 1% Skonto bei Zahlung innert 14 Tagen | Moderate Variante |
Rechenbeispiel: Du stellst eine Rechnung über CHF 5'000 mit Zahlungsfrist 30 Tage und 2% Skonto bei Zahlung innert 10 Tagen. Zahlt der Kunde innerhalb von 10 Tagen, bezahlt er CHF 4'900 statt CHF 5'000. Du bekommst das Geld 20 Tage früher — das ist für deine Liquidität oft mehr wert als die CHF 100 Rabatt.
04Verzugszins bei verspäteter Zahlung
Bezahlt ein Kunde die Rechnung nicht fristgerecht, gerät er in Verzug. Ab diesem Zeitpunkt kannst du gemäss OR Art. 104 einen Verzugszins verlangen. Bleibt die Zahlung weiterhin aus, kann eine Betreibung der nächste Schritt sein.
- Gesetzlicher Verzugszins: 5% pro Jahr (OR Art. 104 Abs. 1)
- Höherer Satz: Nur zulässig, wenn vertraglich vereinbart oder bei Handelsgeschäften üblich
- Beginn: Ab dem Tag nach Ablauf der Zahlungsfrist (wenn ein Verfalltag bestimmt ist) oder ab Mahnung (wenn kein Verfalltag bestimmt ist)
Rechenbeispiel: Ein Kunde schuldet dir CHF 8'000 und zahlt 45 Tage zu spät. Der Verzugszins beträgt: CHF 8'000 × 5% × 45/365 = CHF 49.32. Bei kleineren Beträgen und kurzen Verzügen lohnt sich die Geltendmachung kaum — bei grösseren Summen oder längeren Verzügen durchaus.
05Vorauszahlung, Anzahlung und Teilzahlung
Nicht immer ist die klassische Nachzahlung (Leistung zuerst, Rechnung danach) die beste Lösung. Je nach Situation lohnen sich andere Zahlungsmodelle:
Vorauszahlung (Vorkasse)
Der Kunde bezahlt den gesamten Betrag vor Leistungserbringung. Das ist üblich bei Online-Shops, Kursen, Seminaren oder wenn du einen neuen Kunden ohne Referenzen hast. Vorteil: Null Ausfallrisiko. Nachteil: Manche Kunden akzeptieren das nicht.
Anzahlung
Du verlangst einen Teil des Betrags im Voraus — typischerweise 30–50%. Der Rest wird nach Lieferung oder bei Projektabschluss fällig. Das reduziert dein Risiko und sichert deine Liquidität während des Projekts.
Teilrechnung (Meilensteinzahlung)
Bei grösseren Projekten stellst du nach definierten Meilensteinen Teilrechnungen. Beispiel: 30% bei Auftragserteilung, 40% bei Zwischenlieferung, 30% bei Projektabschluss. Das ist bei Projekten ab CHF 5'000 empfehlenswert.
06Formulierungen für die Rechnung
Klare Formulierungen auf der Rechnung vermeiden Missverständnisse. Achte dabei auch auf die vollständigen Pflichtangaben auf Rechnungen. Hier bewährte Textbausteine:
| Variante | Formulierung |
|---|---|
| Standard 30 Tage | Zahlbar innert 30 Tagen netto |
| Kürzere Frist | Zahlbar innert 14 Tagen netto |
| Mit Skonto | Zahlbar innert 30 Tagen netto, 2% Skonto bei Zahlung innert 10 Tagen |
| Konkretes Datum | Zahlbar bis 15.04.2026 |
| Sofort | Zahlbar sofort, rein netto |
| Bei Erhalt | Zahlbar bei Erhalt der Rechnung |
Der Zusatz «netto» bedeutet, dass der volle Rechnungsbetrag ohne Abzug geschuldet ist. Manche Branchen verwenden auch «rein netto» als Verstärkung.
07Was tun bei Zahlungsverzug?
Trotz klarer Zahlungsbedingungen kommt es vor, dass Kunden nicht rechtzeitig zahlen. In der Schweiz gibt es einen klaren Ablauf — von der freundlichen Erinnerung bis zur Mahnung — den du kennen solltest:
3–5 Tage nach Ablauf der Zahlungsfrist. Ein kurzer, freundlicher Hinweis per E-Mail oder Brief. Viele verspätete Zahlungen beruhen auf einem Versehen. Kein Verzugszins, keine Mahngebühr.
10–14 Tage nach Fälligkeit. Formeller Ton, Verweis auf die offene Rechnung mit Rechnungsnummer, Betrag und ursprünglichem Fälligkeitsdatum. Neue Zahlungsfrist setzen (z.B. 10 Tage). Ab hier kannst du Verzugszins (5% p.a.) geltend machen.
Ca. 30 Tage nach Fälligkeit. Deutlicher Ton, Androhung weiterer Schritte (Inkasso, Betreibung). Mahngebühr von CHF 20–40 ist branchenüblich und zulässig, wenn sie in den AGB vereinbart wurde.
Ca. 45 Tage nach Fälligkeit. Letzte Frist (7–10 Tage). Klare Ankündigung, dass du bei Nichtbezahlung ein Betreibungsbegehren einreichen wirst.
Du reichst beim zuständigen Betreibungsamt ein Betreibungsbegehren ein. Kosten: ca. CHF 50–150 je nach Betrag (gemäss GebV SchKG). Der Schuldner erhält einen Zahlungsbefehl und hat 20 Tage Zeit, Rechtsvorschlag zu erheben oder zu bezahlen.