Als Selbständiger trägst du nicht nur das unternehmerische Risiko, sondern auch das persönliche Versicherungsrisiko — denn viele Leistungen, die Angestellte automatisch über den Arbeitgeber erhalten, entfallen bei der Selbständigkeit. Ein Unfall, eine Krankheit oder ein Haftpflichtfall kann ohne passenden Versicherungsschutz schnell zur existenziellen Bedrohung werden. Dieser Artikel gibt dir einen strukturierten Überblick über alle relevanten Versicherungen: Was ist Pflicht, was ist empfohlen und was ist optional?
01Übersicht: Obligatorisch – Empfohlen – Optional
Die folgende Tabelle zeigt dir auf einen Blick, welche Versicherungen du als Selbständiger in der Schweiz brauchst — geordnet nach Priorität:
| Versicherung | Status | Ungefähre Kosten/Jahr | Gesetzliche Basis |
|---|---|---|---|
| Krankenversicherung (KVG) | Obligatorisch | CHF 3'600–7'200 (je nach Kanton/Franchise) | KVG Art. 3 |
| AHV/IV/EO | Obligatorisch | 5.371–10.6% des Nettoeinkommens | AHVG Art. 3 |
| Unfallversicherung (UVG) | Empfohlen (freiwillig) | CHF 500–2'000 | UVG Art. 4 Abs. 1 |
| Krankentaggeldversicherung | Empfohlen | CHF 600–3'000 | Privatrechtlich (VVG) |
| Berufshaftpflichtversicherung | Empfohlen | CHF 300–2'500 | OR Art. 41 ff. |
| Rechtsschutzversicherung | Empfohlen | CHF 400–1'200 | Privatrechtlich |
| Invalidenversicherung (IV) | Obligatorisch (via AHV) | In AHV-Beitrag enthalten | IVG |
| Betriebsunterbrechungsversicherung | Optional | CHF 300–1'500 | Privatrechtlich |
| Cyber-Versicherung | Optional | CHF 200–1'000 | Privatrechtlich |
| Sachversicherung (Inventar) | Optional | CHF 200–800 | Privatrechtlich |
02Obligatorische Versicherungen
Krankenversicherung (KVG)
Die Grundversicherung nach KVG ist in der Schweiz für alle Einwohner obligatorisch — unabhängig vom Erwerbsstatus. Als Selbständiger zahlst du die Prämie vollständig selbst. Bei Angestellten beteiligt sich der Arbeitgeber nicht an der Grundversicherung (diese ist auch bei Angestellten privat), aber der Unterschied liegt in der fehlenden Lohnfortzahlung bei Krankheit.
Wichtig für Selbständige: Die KVG-Grundversicherung deckt zwar Arzt- und Spitalkosten ab, zahlt aber kein Krankentaggeld bei Arbeitsunfähigkeit. Das heisst: Wenn du krank bist und nicht arbeiten kannst, hast du ohne zusätzliche Versicherung keinen Einkommensersatz.
AHV/IV/EO
Die Beiträge an AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung), IV (Invalidenversicherung) und EO (Erwerbsersatzordnung) sind für alle Erwerbstätigen obligatorisch. Als Selbständiger zahlst du den gesamten Beitrag allein (bei Angestellten teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer je hälftig). Der Beitragssatz für Selbständige beträgt zwischen 5.371% und 10.6% des Nettoeinkommens (degressive Skala). Ergänzend dazu ist die Säule 3a ein wichtiger Baustein der privaten Vorsorge.
Die IV-Leistungen sind für Selbständige besonders wichtig: Bei einer dauerhaften Invalidität erhältst du eine IV-Rente. Allerdings deckt die IV-Rente nur das Existenzminimum — für einen angemessenen Lebensstandard reicht sie oft nicht aus. Deshalb ist eine ergänzende Absicherung über das freiwillige BVG oder eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung empfehlenswert.
03Empfohlene Versicherungen
Unfallversicherung (UVG – freiwillig)
Gemäss UVG Art. 4 Abs. 1 sind Selbständige nicht obligatorisch unfallversichert. Als Angestellter bist du automatisch über den Arbeitgeber gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert — als Selbständiger entfällt dieser Schutz. Du kannst dich aber freiwillig über die SUVA oder einen privaten Unfallversicherer versichern.
Ohne UVG bist du bei einem Unfall nur über die KVG-Grundversicherung gedeckt. Diese übernimmt zwar die Heilungskosten, zahlt aber kein Taggeld bei Arbeitsunfähigkeit und keine Invalidenrente. Bei schweren Unfällen kann das existenzbedrohend sein.
Krankentaggeldversicherung
Die Krankentaggeldversicherung ersetzt dein Einkommen, wenn du wegen Krankheit nicht arbeiten kannst. Anders als bei Angestellten, die mindestens 3 Wochen (im 1. Dienstjahr) bis mehrere Monate Lohnfortzahlung erhalten, hast du als Selbständiger keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Vom ersten Krankheitstag an fehlt dir das Einkommen.
Es gibt zwei Arten von Krankentaggeldversicherungen:
- Nach KVG: Garantierte Aufnahme (kein Gesundheitsfragebogen), aber höhere Prämien und kürzere Leistungsdauer (typisch 720 Tage)
- Nach VVG (privatrechtlich): Gesundheitsprüfung nötig, dafür tiefere Prämien und flexiblere Konditionen. Leistungsdauer meist 720 oder 730 Tage
Berufshaftpflichtversicherung
Die Berufshaftpflichtversicherung schützt dich, wenn du einem Kunden durch deine berufliche Tätigkeit einen finanziellen Schaden zufügst. Die gesetzliche Grundlage ist OR Art. 41 ff. (Haftung aus unerlaubter Handlung) und OR Art. 97 ff. (vertragliche Haftung).
Besonders wichtig ist die Berufshaftpflicht für:
- Berater und Treuhänder (fehlerhafte Beratung)
- IT-Dienstleister (Datenverlust, Systemausfälle)
- Architekten und Ingenieure (Planungsfehler)
- Grafiker und Webdesigner (Urheberrechtsverletzungen)
- Therapeuten und Coaches (Behandlungsfehler)
Die Deckungssumme sollte mindestens CHF 1'000'000 betragen — bei beratungsintensiven Tätigkeiten eher CHF 2'000'000 bis CHF 5'000'000. Die Prämien liegen typischerweise zwischen CHF 300 und CHF 2'500 pro Jahr, abhängig von Branche und Deckungssumme.
Rechtsschutzversicherung
Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten für rechtliche Auseinandersetzungen — zum Beispiel bei Streitigkeiten mit Kunden, Lieferanten oder Behörden. Für Selbständige ist der gewerbliche Rechtsschutz relevant, der Vertrags-, Miet- und Arbeitsrecht abdeckt.
Die Kosten liegen bei CHF 400 bis CHF 1'200 pro Jahr. Beachte die typische Wartefrist von 3 Monaten nach Vertragsabschluss — schliesse die Versicherung also frühzeitig ab, nicht erst wenn ein Konflikt absehbar ist.
04Optionale Versicherungen
Betriebsunterbrechungsversicherung
Diese Versicherung deckt den Ertragsausfall, wenn dein Betrieb wegen eines versicherten Ereignisses (Brand, Wasserschaden, Einbruch) vorübergehend stillsteht. Sie ist besonders relevant für Selbständige mit physischen Betriebsstätten — z.B. Werkstätten, Praxen oder Gastrobetriebe. Für reine Dienstleister im Homeoffice ist sie weniger relevant.
Cyber-Versicherung
Mit dem neuen Datenschutzgesetz (DSG), das seit September 2023 in Kraft ist, haben Datenschutzverletzungen auch strafrechtliche Konsequenzen. Eine Cyber-Versicherung deckt Kosten für Datenwiederherstellung, Erpressung (Ransomware), Benachrichtigungskosten bei Datenlecks und mögliche Haftungsansprüche.
Für Selbständige, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten (z.B. Treuhänder, Ärzte, Rechtsanwälte) oder deren Geschäft stark digital ist, kann eine Cyber-Versicherung sinnvoll sein. Kosten: CHF 200 bis CHF 1'000 pro Jahr.
Sachversicherung (Geschäftsinventar)
Die Sachversicherung deckt Schäden an deinem Geschäftsinventar — Büroausstattung, Werkzeuge, Lagerbestand. Wenn du teure Geräte oder grössere Warenbestände hast, ist diese Versicherung sinnvoll. Bei typischen Freelancern mit Laptop und wenig physischem Inventar ist sie hingegen weniger dringend.
05Priorisierung bei knappem Budget
Gerade in der Startphase nach der Gründung der Einzelfirma ist das Budget oft knapp. Die folgende Priorisierung hilft dir, die wichtigsten Risiken zuerst abzusichern und die Versicherungskosten schrittweise aufzubauen:
Krankenversicherung (KVG, obligatorisch), AHV/IV/EO (obligatorisch), Krankentaggeldversicherung (Einkommensersatz bei Krankheit) und freiwillige Unfallversicherung (UVG). Diese Versicherungen schützen dich vor dem finanziellen Ruin bei Krankheit oder Unfall.
Berufshaftpflichtversicherung — besonders wenn du beratend tätig bist oder Fehler bei deiner Arbeit hohe finanzielle Folgen für Kunden haben könnten. Kosten-Nutzen-Verhältnis ist hier sehr gut.
Rechtsschutzversicherung — schützt vor hohen Anwalts- und Gerichtskosten. Auch wenn du hoffentlich nie einen Rechtsstreit hast, können bereits Abklärungen und Beratungen ins Geld gehen.
Betriebsunterbrechung, Cyber-Versicherung, Sachversicherung — je nach Art deiner Tätigkeit und deinem individuellen Risikoprofil. Prüfe diese Versicherungen, sobald dein Geschäft etabliert ist.
06Steuerliche Absetzbarkeit von Versicherungsprämien
Als Selbständiger kannst du alle geschäftlich bedingten Versicherungsprämien als Betriebsaufwand von deinem steuerbaren Einkommen abziehen (DBG Art. 27). Das betrifft:
- Berufshaftpflichtversicherung: Vollständig absetzbar
- Rechtsschutzversicherung (gewerblicher Anteil): Vollständig absetzbar
- Betriebsunterbrechungsversicherung: Vollständig absetzbar
- Cyber-Versicherung: Vollständig absetzbar
- Sachversicherung (Geschäftsinventar): Vollständig absetzbar
- Freiwillige UVG-Prämie: Vollständig absetzbar
- Krankentaggeldversicherung: Vollständig absetzbar (wenn geschäftlich abgeschlossen)
Die Krankenversicherung (KVG) ist dagegen als persönlicher Abzug in der Steuererklärung geltend zu machen (nicht als Geschäftsaufwand). Die AHV/IV/EO-Beiträge werden direkt vom Geschäftsgewinn abgezogen und mindern damit das steuerbare Einkommen.
07Versicherungen verwalten mit einzly
Versicherungsprämien sind ein wesentlicher Kostenpunkt für Selbständige — und gleichzeitig ein steuerlicher Abzugsposten. einzly hilft dir, den Überblick zu behalten:
- Alle Prämien erfasst: Buche Versicherungsprämien als Geschäftsaufwand — mit Beleg und der richtigen Kategorie
- Steuerliche Übersicht: Sieh jederzeit, wie viel du an geschäftlichen Versicherungen bezahlt hast und wie sich das auf deinen Gewinn auswirkt
- Fristenerinnerung: einzly erinnert dich an anstehende Zahlungen und Vertragsverlängerungen
- Jahresabschluss: Alle Versicherungskosten sind sauber dokumentiert — bereit für die Steuererklärung oder den Treuhänder