Als Selbständiger in der Schweiz bist du nicht obligatorisch in der 2. Säule (BVG) versichert. Das gibt dir Freiheit — aber auch Verantwortung. Denn ohne Pensionskasse fehlt dir im Alter eine wichtige Einkommensquelle. In diesem Artikel erfährst du, welche Möglichkeiten du für einen freiwilligen BVG-Anschluss hast, was er kostet und wann er sich im Vergleich zur Säule 3a lohnt.
01Gesetzliche Ausgangslage: BVG und Selbständige
Das Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG Art. 4) regelt, wer obligatorisch versichert ist: Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn über der Eintrittsschwelle von CHF 22'680 (Stand 2026). Selbständigerwerbende sind davon ausgenommen — sie können sich aber freiwillig versichern lassen.
BVG Art. 44 hält explizit fest, dass sich Selbständige freiwillig der Vorsorge unterstellen können. Die Möglichkeiten hängen davon ab, ob du Angestellte beschäftigst, einem Berufsverband angehörst oder die Auffangeinrichtung nutzt.
02Drei Wege zum freiwilligen BVG-Anschluss
Selbständige haben drei Möglichkeiten, sich freiwillig der beruflichen Vorsorge anzuschliessen:
Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG nimmt jeden Selbständigen auf — unabhängig von Branche oder Verband. Du meldest dich direkt bei der Auffangeinrichtung an und wählst den versicherten Lohn selbst (zwischen CHF 22'680 und CHF 88'200 für das BVG-Obligatorium, darüber hinaus im Überobligatorium). Die Auffangeinrichtung bietet Standardpläne mit festgelegten Beiträgen.
Viele Berufsverbände bieten ihren Mitgliedern eigene Vorsorgelösungen an (z.B. der Schweizerische Gewerbeverband, Architektenverband, IT-Verbände). Die Konditionen sind oft besser als bei der Auffangeinrichtung, da die Verwaltungskosten auf mehr Versicherte verteilt werden. Voraussetzung: Mitgliedschaft im jeweiligen Verband.
Beschäftigst du selbst Angestellte und hast deshalb bereits eine Pensionskasse? Dann kannst du dich als Selbständiger dieser Vorsorgeeinrichtung freiwillig anschliessen. Das ist oft die unkomplizierteste Lösung, da die Infrastruktur bereits besteht.
03Kosten: Was kostet der freiwillige BVG-Anschluss?
Der grösste Unterschied zu Angestellten: Du zahlst den gesamten Beitrag selbst — Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil. Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Beiträge. Diese Doppelbelastung macht den freiwilligen BVG-Anschluss zu einer spürbaren finanziellen Verpflichtung.
Die Beitragshöhe hängt von deinem Alter, dem versicherten Lohn und dem gewählten Vorsorgeplan ab. Die BVG-Mindestbeiträge (Altersgutschriften) als Prozentsatz des koordinierten Lohns sind gesetzlich festgelegt:
| Alter | Altersgutschrift (BVG-Minimum) | Selbständige zahlen (beides) |
|---|---|---|
| 25–34 | 7% | 7% (Arbeitgeber + Arbeitnehmer) |
| 35–44 | 10% | 10% |
| 45–54 | 15% | 15% |
| 55–65 | 18% | 18% |
Koordinationsabzug
Der Koordinationsabzug bestimmt, welcher Teil deines Einkommens in der 2. Säule versichert ist. Der volle Koordinationsabzug beträgt CHF 25'900 (Stand 2026). Das bedeutet: Bei einem selbst gewählten versicherten Lohn von CHF 80'000 beträgt der koordinierte Lohn CHF 80'000 − CHF 25'900 = CHF 54'100. Die Beiträge werden auf diesen koordinierten Lohn berechnet.
04Steuerliche Absetzbarkeit
Die gute Nachricht: Sämtliche BVG-Beiträge sind vollständig vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig — sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Kantons- und Gemeindesteuern (DBG Art. 33 Abs. 1 lit. d). Da du als Selbständiger beide Anteile (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) selbst zahlst, ist der steuerliche Abzug entsprechend höher.
Zusätzlich zu den laufenden Beiträgen sind auch freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse steuerlich abzugsfähig. Wer Vorsorgelücken hat (z.B. wegen Jahren mit tiefem Einkommen oder fehlender Beitragsjahre), kann diese durch Einkäufe schliessen und so das steuerbare Einkommen in guten Jahren deutlich senken.
05BVG vs. Säule 3a vs. freies Sparen: Der Vergleich
Die zentrale Frage für Selbständige lautet: Soll ich mich freiwillig der Pensionskasse anschliessen, den grossen 3a-Beitrag nutzen oder frei sparen? Hier der direkte Vergleich:
| Kriterium | Freiwilliges BVG | Säule 3a (grosser Beitrag) | Freies Sparen |
|---|---|---|---|
| Max. Steuerabzug/Jahr | Je nach Plan und Einkauf (potenziell unbeschränkt bei Einkauf) | CHF 36'288 (max. 20% Nettoeinkommen) | Kein Steuerabzug |
| Flexibilität | Tief — fixe Beiträge, Austritt schwierig | Mittel — jährliche Höhe frei wählbar | Hoch — volle Verfügbarkeit |
| Risikoschutz | Ja (Tod und Invalidität integriert) | Nein (nur Sparen) | Nein |
| Rendite | Mindestverzinsung (aktuell 1.25%) | Sparkonto tief, Wertschriften marktabhängig | Marktabhängig, keine Steuervorteile |
| Bezug | Rente oder Kapital ab Rentenalter | Kapital ab 5 Jahre vor Rentenalter | Jederzeit |
| Verfügbarkeit bei Notfall | Sehr eingeschränkt | Nur bei gesetzlichen Gründen | Jederzeit |
| Kosten | Verwaltungs- und Risikokosten | Tiefe Kosten (Bank) | Keine Zusatzkosten |
Wann lohnt sich der freiwillige BVG-Anschluss?
- Hohes Einkommen: Wenn du mehr als CHF 36'288 pro Jahr steuerlich abziehen möchtest — der BVG-Einkauf ist zusätzlich zum 3a-Abzug möglich
- Risikoschutz gewünscht: Wenn du eine integrierte Absicherung bei Tod und Invalidität möchtest, ohne separate Versicherungen abzuschliessen
- Stabilität: Wenn dir eine garantierte Mindestverzinsung und Planbarkeit wichtiger ist als Renditechancen
- Rentenplanung: Wenn du im Alter eine regelmässige Rente bevorzugst statt einer Kapitalausschüttung
Wann ist die Säule 3a besser?
- Flexibilität: Wenn du die jährliche Einzahlung flexibel halten möchtest (in schlechten Jahren weniger, in guten Jahren Maximum)
- Tiefe Kosten: Wenn du Verwaltungskosten minimieren möchtest — 3a-Bankprodukte sind deutlich günstiger als eine BVG-Lösung
- Rendite: Wenn du mit einer Wertschriftenlösung langfristig höhere Renditen anstrebst
- Separater Risikoschutz: Wenn du Tod und Invalidität über günstige Einzelversicherungen abdeckst
06Praktische Entscheidungshilfe
Die Entscheidung für oder gegen einen freiwilligen BVG-Anschluss hängt von deiner persönlichen Situation ab. Folgende Fragen helfen dir bei der Entscheidung:
Bei einem Nettoeinkommen unter CHF 100'000 reicht der grosse 3a-Beitrag (20% = max. CHF 20'000) oft aus. Ab CHF 180'000+ wird der grosse 3a-Beitrag (CHF 36'288) durch den 20%-Cap begrenzt und ein BVG-Anschluss bietet zusätzlichen Steuerabzug.
Bei schwankendem Einkommen ist die Säule 3a flexibler — du zahlst einfach weniger ein. Beim BVG sind die Beiträge fix und müssen auch in schlechten Jahren bezahlt werden.
Falls du keine separate Todesfallrisikoversicherung und Erwerbsunfähigkeitsversicherung hast, bietet das BVG integrierten Schutz. Prüfe aber, ob separate Policen nicht günstiger sind.
Das BVG bietet die Möglichkeit einer lebenslangen Rente im Alter. Die Säule 3a wird immer als Kapital ausbezahlt. Wer eine Rente möchte, ist beim BVG besser aufgehoben.
07Buchhaltung und Vorsorge mit einzly
Die Wahl der richtigen Vorsorgestrategie hängt direkt von deinem Geschäftsergebnis ab. einzly liefert dir die Zahlen, die du für fundierte Vorsorge-Entscheidungen brauchst:
- Aktuelles Nettoeinkommen: Sieh jederzeit, wie hoch dein Geschäftsgewinn ist — die Grundlage für deinen maximalen 3a-Beitrag und die BVG-Planung
- Steuerplanung: Berechne, wie sich BVG-Beiträge und 3a-Einzahlungen auf dein steuerbares Einkommen auswirken
- AHV-Beiträge im Blick: einzly zeigt dir deine AHV/IV/EO-Belastung, die du für die Berechnung des Nettoeinkommens (Basis für den 3a-Maximalbetrag) brauchst
- Belege sauber erfassen: Alle Vorsorgebeiträge sind als Geschäftsaufwand korrekt verbucht — bereit für die Steuererklärung