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Selbständig machen in der Schweiz: Die komplette Anleitung in 10 Schritten

Selbständig machen in der Schweiz: Von der Geschäftsidee über die AHV-Anmeldung bis zur ersten Rechnung. 10 konkrete Schritte für dein Einzelunternehmen.

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einzly Redaktion
Steuer- & Finanzredaktion
12 Min. Lesezeit
8. März 2026

Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 14'000 neue Einzelfirmen gegründet. Die Rechtsform ist mit Abstand die beliebteste für den Einstieg in die Selbständigkeit -- kein Mindestkapital, kein Notar, keine Statuten. Doch zwischen dem Entschluss und dem funktionierenden Geschäft liegen einige wichtige Schritte, die du kennen solltest.

Dieser Leitfaden führt dich durch die 10 Schritte von der Geschäftsidee bis zur ersten Rechnung. Alle Angaben beziehen sich auf das Schweizer Recht (Stand 2026) und richten sich an Einzelunternehmen -- also Freelancer, Berater, Handwerker und alle, die auf eigene Faust starten.


011. Geschäftsidee validieren

Bevor du ein einziges Formular ausfüllst, solltest du deine Geschäftsidee auf Herz und Nieren prüfen. Viele scheitern nicht an der Bürokratie, sondern daran, dass sie ein Angebot lancieren, das niemand braucht.

Marktanalyse

Recherchiere, ob es bereits Anbieter gibt, die dasselbe tun. Konkurrenz ist kein schlechtes Zeichen -- sie beweist, dass eine Nachfrage besteht. Analysiere, was bestehende Anbieter gut machen und wo sie Schwächen haben.

Zielgruppe definieren

Wer genau soll dein Kunde werden? Je konkreter du deine Zielgruppe beschreiben kannst, desto gezielter kannst du dein Angebot ausrichten. «Alle KMU» ist keine Zielgruppe. «Physiotherapie-Praxen in der Deutschschweiz mit 2-5 Mitarbeitenden» schon.

Alleinstellungsmerkmal (USP)

Was machst du anders oder besser als die Konkurrenz? Das muss kein revolutionäres Produkt sein. Es kann ein besserer Service sein, ein tieferer Preis, eine Nische, die andere übersehen, oder schlicht deine persönliche Expertise.

Tipp: Erst testen, dann gründenTeste deine Idee im Kleinen, bevor du alles auf eine Karte setzt. Sprich mit potenziellen Kunden, erstelle ein Minimalangebot und schau, ob jemand dafür zahlt. Das kostet nichts und spart dir unter Umständen viel Geld.


022. Businessplan erstellen

Ein Businessplan klingt nach Grosskonzern -- ist aber auch für Einzelunternehmen sinnvoll. Keine Sorge: Du brauchst kein 50-seitiges Dokument. Eine einfache Version auf 3-5 Seiten reicht völlig aus.

Dein Businessplan sollte folgende Punkte abdecken:

  • Geschäftsidee: Was bietest du an? Für wen?
  • Markt und Konkurrenz: Wie gross ist der Markt? Wer sind deine Mitbewerber?
  • Preisgestaltung: Was verlangst du? Stundensatz, Pauschalpreis, Abo?
  • Marketing und Vertrieb: Wie findest du Kunden?
  • Finanzplan: Einnahmen, Ausgaben, Gewinn -- realistisch auf 12 Monate gerechnet

Der Finanzplan ist der wichtigste Teil. Rechne ehrlich durch, was du verdienen musst, um deine privaten Kosten (Miete, Krankenkasse, Essen, AHV-Beiträge, Steuern) zu decken. Plane Reserven ein -- die ersten Monate bringen selten den vollen Umsatz.



033. Rechtsform wählen

Für den Start in die Selbständigkeit ist die Einzelfirma (Einzelunternehmen) fast immer die richtige Wahl. Eine detaillierte Anleitung findest du im Artikel Einzelfirma gründen. Sie ist die einfachste und kostengünstigste Rechtsform in der Schweiz.

  • Kein Mindestkapital: Du brauchst null Franken Startkapital
  • Kein Notar: Keine öffentliche Beurkundung, keine Statuten nötig
  • Kein Handelsregistereintrag nötig: Unter CHF 100'000 Umsatz ist der Eintrag freiwillig
  • Einfache Buchhaltung: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung genügt unter CHF 500'000 Umsatz
  • Persönliche Haftung: Du haftest unbeschränkt mit deinem Privatvermögen -- das ist der Nachteil

Die Einzelfirma ist keine eigene juristische Person. Rechtlich bist du selbst das Unternehmen. Dein Firmenname muss zwingend deinen Familiennamen enthalten (z.B. «Müller Design» oder «Coaching Meier»).

Wann eine GmbH sinnvoller istWenn du von Anfang an mit hohen Haftungsrisiken rechnest (z.B. Bauwesen, Beratung für grosse Projekte) oder Partner einsteigen, ist eine GmbH besser geeignet. Sie kostet aber CHF 20'000 Stammkapital und muss beim Notar gegründet werden.


044. Finanzierung klären

Auch wenn die Einzelfirma kein Mindestkapital verlangt, brauchst du trotzdem Geld zum Starten — und ein separates Geschäftskonto. Wie viel Startkapital du brauchst, hängt stark von deiner Branche ab. Ein Freelance-Texter kommt mit einem Laptop aus, ein Handwerker braucht Werkzeug und ein Fahrzeug.

Startkapital berechnen

Liste alle einmaligen Investitionen auf (Equipment, Software, Website, Erstausstattung) und addiere die laufenden Kosten für die ersten 6 Monate. Plane mindestens 6 Monate Lebenshaltungskosten als Reserve ein -- die Einnahmen kommen selten sofort.

Finanzierungsquellen

  • Eigenkapital: Die häufigste und einfachste Form. Ersparnisse einsetzen
  • Bankkredit: Möglich, aber Banken verlangen oft Sicherheiten und einen soliden Businessplan
  • Bürgschaftsgenossenschaften: Die vier Schweizer Bürgschaftsorganisationen können Kredite bis CHF 500'000 verbürgen
  • Mikrokredit: Verschiedene Stiftungen vergeben Kleinkredite an Gründer
  • Familie und Freunde: Häufig, aber Vorsicht -- schriftliche Vereinbarungen sind Pflicht, um die Beziehung zu schützen
Nicht vergessen: AHV und SteuernAls Selbständiger zahlst du AHV-Beiträge und Steuern selbst. Rechne mit ca. 25-30% deines Gewinns, die für Sozialversicherungen und Steuern reserviert werden müssen. Das musst du in deine Finanzplanung einbeziehen.


055. Ausgleichskasse anmelden

Die Anmeldung bei der kantonalen AHV-Ausgleichskasse ist der wichtigste formelle Schritt. Ohne diese Anmeldung bist du offiziell nicht selbständig erwerbend. Die Ausgleichskasse prüft deinen Antrag und entscheidet, ob du als selbständig anerkannt wirst.

Was du brauchst

  • Anmeldeformular der kantonalen Ausgleichskasse (online verfügbar)
  • Kopie deines Personalausweises oder Passes
  • Nachweis der Selbständigkeit: z.B. erste Rechnungen, Auftragsbestätigungen, Businessplan
  • Falls zutreffend: Abmeldung beim bisherigen Arbeitgeber

Kriterien für die Anerkennung

Die Ausgleichskasse prüft drei zentrale Kriterien: Du trägst das wirtschaftliche Risiko selbst, arbeitest für mehrere Auftraggeber und bestimmst deine Arbeitsorganisation eigenständig. Wer nur einen einzigen Kunden hat, wird möglicherweise als unselbständig eingestuft -- mit entsprechenden Konsequenzen für die Sozialversicherungen.

Beitragspflicht

Die AHV/IV/EO-Beiträge betragen zwischen 5.371% und 10.6% deines Nettoeinkommens (degressive Skala). Das Minimum liegt bei CHF 514 pro Jahr (Stand 2026). Du zahlst zunächst Akontobeiträge basierend auf einer Schätzung und erhältst nach der definitiven Steuerveranlagung eine Schlussabrechnung.



066. Handelsregister-Eintrag prüfen

Der Handelsregistereintrag ist für Einzelfirmen ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 Pflicht. Darunter ist er freiwillig. Der Eintrag kostet je nach Kanton rund CHF 120 und wird beim zuständigen Handelsregisteramt eingereicht.

Vorteile eines freiwilligen Eintrags

  • Namensschutz: Dein Firmenname ist in deinem Kanton geschützt
  • Vertrauen: Ein HR-Eintrag wirkt professioneller gegenüber Kunden und Partnern
  • Voraussetzung für gewisse Aufträge: Öffentliche Ausschreibungen verlangen oft einen HR-Auszug
  • Geschäftskonto: Manche Banken verlangen den HR-Auszug für die Kontoeröffnung
Namenscheck nicht vergessenPrüfe auf zefix.ch, ob dein Wunschname bereits vergeben ist. Der Firmenname darf nicht mit bestehenden, eingetragenen Firmen verwechselbar sein.


077. Versicherungen abschliessen

Als Selbständiger fällt der Schutz des Arbeitgebers weg. Du bist für deine Absicherung selbst verantwortlich. Einige Versicherungen sind obligatorisch, andere freiwillig -- aber dringend empfohlen.

VersicherungStatusDetails
AHV/IV/EOObligatorisch5.371%-10.6% des Nettoeinkommens; Minimum CHF 514/Jahr
Unfallversicherung (UVG)FreiwilligFür dich selbst freiwillig; Pflicht nur bei Angestellten
BVG (2. Säule)FreiwilligFreiwilliger Beitritt bei einer Vorsorgeeinrichtung möglich
KrankentaggeldFreiwilligDringend empfohlen -- kein Lohnfortzahlungsanspruch bei Krankheit
Säule 3aFreiwilligSteuerlich absetzbar; ohne BVG max. 20% des Nettoeinkommens (max. CHF 36'288/Jahr)
BerufshaftpflichtFreiwilligJe nach Branche sehr sinnvoll; schützt bei Schäden an Dritten
Vorsorgelücke vermeidenOhne BVG und Säule 3a riskierst du eine erhebliche Vorsorgelücke. Die AHV allein deckt nur ca. 40-50% des bisherigen Einkommens. Kümmere dich frühzeitig um deine Altersvorsorge.


088. MWST-Pflicht prüfen

Die Mehrwertsteuerpflicht greift ab einem weltweiten Jahresumsatz von CHF 100'000. Erreichst du diesen Schwellenwert, musst du dich innert 30 Tagen bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) anmelden.

Freiwillige Unterstellung

Auch unter CHF 100'000 Umsatz kannst du dich freiwillig der MWST unterstellen. Das lohnt sich, wenn du regelmässig hohe Einkäufe tätigst (z.B. Materialkosten) und die Vorsteuer zurückfordern willst. Oder wenn deine Kunden hauptsächlich Unternehmen sind -- die können die MWST als Vorsteuer abziehen, es kostet sie also nichts extra.

Abrechnungsmethode wählen

  • Effektive Methode: Du rechnest die tatsächlich erhobene MWST ab und ziehst die Vorsteuer auf Einkäufen ab. Mehr Aufwand, aber genauer
  • Saldosteuersatzmethode: Du rechnest mit einem pauschalen Satz ab (je nach Branche 0.1-6.5%). Weniger Aufwand, keine Vorsteuer-Belege nötig. Ideal für Dienstleister mit wenig Materialkosten


099. Buchhaltung einrichten

Ab dem ersten Tag bist du verpflichtet, Buch zu führen. Die gute Nachricht: Als Einzelfirma mit weniger als CHF 500'000 Jahresumsatz genügt eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR). Du musst keine doppelte Buchhaltung führen.

Was die EAR beinhaltet

  • Chronologische Erfassung aller Einnahmen und Ausgaben
  • Beleg für jeden Geschäftsvorfall (Quittung, Rechnung, Kontoauszug)
  • Jahresabschluss mit Aufstellung der Vermögenswerte und Schulden
  • Aufbewahrungspflicht: 10 Jahre für alle Belege und Buchungsunterlagen

Werkzeuge für die Buchhaltung

Grundsätzlich hast du drei Optionen: Excel-Tabelle (fehleranfällig), Treuhänder (teuer) oder Buchhaltungssoftware (effizient). Eine spezialisierte Lösung für Einzelfirmen spart dir am meisten Zeit und minimiert Fehler.

einzly: Buchhaltung in 5 Minuten einrichtenMit einzly richtest du deine Buchhaltung in 5 Minuten ein -- von der ersten Rechnung bis zur MWST-Abrechnung.


1010. Erste Rechnung stellen

Dein erster Auftrag ist abgeschlossen -- jetzt stellst du die Rechnung. In der Schweiz gibt es klare Vorgaben, was auf einer Rechnung stehen muss. Seit 2022 ist zudem die QR-Rechnung mit Swiss QR-Code der Standard für Zahlungen.

Pflichtangaben auf der Rechnung

  • Name und Adresse des Rechnungsstellers
  • Name und Adresse des Rechnungsempfängers
  • Rechnungsdatum und Rechnungsnummer
  • Leistungsbeschreibung (Art, Menge, Zeitraum)
  • Betrag in CHF (Einzelpositionen und Total)
  • Zahlungsfrist und Zahlungskonditionen
  • IBAN oder QR-IBAN für die Zahlung
  • Falls MWST-pflichtig: MWST-Nummer (CHE-xxx.xxx.xxx MWST), Steuersatz und Steuerbetrag

QR-Rechnung erstellen

Die QR-Rechnung enthält einen Swiss QR-Code mit allen Zahlungsinformationen. Dein Kunde kann diesen Code mit der Banking-App scannen und die Zahlung direkt auslösen -- ohne Tippfehler. Der QR-Zahlschein muss am unteren Rand der Rechnung platziert sein und den SIX-Vorgaben entsprechen.



11Vergleich: Einzelfirma vs. GmbH vs. AG

Welche Rechtsform passt zu deiner Situation? Einen ausführlichen Rechtsform-Vergleich findest du in unserem separaten Artikel. Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

EinzelfirmaGmbHAG
GründungSofort, kein NotarNotar + HR-Eintrag nötigNotar + HR-Eintrag nötig
MindestkapitalKeinesCHF 20'000CHF 100'000 (davon mind. CHF 50'000 einbezahlt)
HaftungUnbeschränkt, persönlichAuf Stammkapital beschränktAuf Aktienkapital beschränkt
BuchhaltungEAR unter CHF 500'000Doppelte Buchführung (Pflicht)Doppelte Buchführung (Pflicht)
SozialversicherungSelbständig erwerbendGeschäftsführer = AngestellterVR-Mitglied = Angestellter
GründungskostenCHF 0 (HR optional ~CHF 120)Ca. CHF 2'000-3'000Ca. CHF 3'000-5'000
Geeignet fürEinzelpersonen, tiefer UmsatzKleine Teams, mittleres RisikoWachstumsunternehmen, Investoren


12Häufige Fragen

Die Gründung einer Einzelfirma ist grundsätzlich kostenlos. Es gibt kein Mindestkapital und keinen Notar. Einzige mögliche Kosten: der freiwillige Handelsregistereintrag (ca. CHF 120) und die Anschaffung von Arbeitsmaterial. Du solltest aber Reserven für 6 Monate Lebenshaltungskosten einplanen -- plus rund 25-30% des Gewinns für AHV und Steuern.
Ja, das ist in der Schweiz problemlos möglich und sogar ein häufiger Einstieg. Du behältst deine Anstellung und baust das Geschäft nebenbei auf. Beachte: Dein Arbeitsvertrag darf kein Konkurrenzverbot enthalten, das deine Tätigkeit einschränkt. Ab einem jährlichen Nebeneinkommen von CHF 2'300 musst du AHV-Beiträge darauf entrichten.
Nein. Als Einzelfirma darfst du deine Buchhaltung komplett selbst führen. Mit einer Buchhaltungssoftware wie einzly erledigst du Rechnungen, EAR und MWST-Abrechnung ohne Vorkenntnisse. Einen Treuhänder brauchst du erst, wenn deine Geschäftsfälle komplex werden oder du es einfach bequemer willst.
Ja, das ist jederzeit möglich. Du gründest eine GmbH (CHF 20'000 Stammkapital, Notar nötig) und überträgst die Geschäftstätigkeit. Viele Selbständige starten als Einzelfirma und wechseln erst bei steigendem Umsatz, wachsendem Haftungsrisiko oder wenn Partner einsteigen.
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