Die Wahl der Rechtsform gehört zu den wichtigsten Entscheidungen bei einer Firmengründung in der Schweiz. Sie bestimmt, wie viel Kapital du brauchst, wie du haftest, welche Steuern anfallen und welche Buchhaltung du führen musst. In der Schweiz existieren rund 330'000 Einzelfirmen -- das entspricht etwa 52 % aller Unternehmen. Daneben sind die GmbH und die AG die beliebtesten Kapitalgesellschaften.
Dieser Artikel vergleicht die drei häufigsten Rechtsformen systematisch: Einzelfirma (Einzelunternehmen), GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und AG (Aktiengesellschaft). Am Ende weisst du, welche Form zu deiner Situation passt -- und wann ein Wechsel sinnvoll wird.
01Rechtsformen im grossen Vergleich
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Einzelfirma, GmbH und AG auf einen Blick zusammen:
| Kriterium | Einzelfirma | GmbH | AG |
|---|---|---|---|
| Gründungskosten | Kostenlos (HR-Eintrag optional) | CHF 700–1'500 (Notar + HR) | CHF 1'500–3'000 (Notar + HR) |
| Mindestkapital | Keines | CHF 20'000 | CHF 100'000 (mind. CHF 50'000 liberiert) |
| Haftung | Unbeschränkt, persönlich | Beschränkt auf Stammkapital | Beschränkt auf Aktienkapital |
| Buchhaltung | Einnahmen-Ausgaben-Rechnung unter CHF 500'000 Umsatz | Doppelte Buchhaltung Pflicht | Doppelte Buchhaltung Pflicht |
| Steuern | Einkommenssteuer + AHV auf Gewinn | Gewinnsteuer + Kapitalsteuer + Lohnsteuer | Gewinnsteuer + Kapitalsteuer + Lohnsteuer |
| Sozialversicherung | Selbständig: AHV auf Gewinn | Angestellt: Lohnabzüge 50/50 | Angestellt: Lohnabzüge 50/50 |
| Handelsregister | Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz | Pflicht | Pflicht |
| Revision | Keine | Eingeschränkt ab bestimmten Schwellenwerten | Eingeschränkt oder ordentlich |
| Namenwahl | Familienname + Zusatz | Frei wählbar + «GmbH» | Frei wählbar + «AG» |
02Einzelfirma im Detail
Die Einzelfirma ist keine juristische Person -- rechtlich gesehen bist du als Inhaber identisch mit dem Unternehmen. Das macht die Gründung extrem einfach, hat aber Konsequenzen bei der Haftung.
Vorteile
- Kostenlose Gründung: Kein Notar, kein Mindestkapital, kein Gesellschaftsvertrag. Du meldest dich bei der AHV-Ausgleichskasse an und kannst loslegen. Alle Details zur Gründung einer Einzelfirma findest du im separaten Artikel.
- Einfache Buchhaltung: Unter CHF 500'000 Jahresumsatz genügt eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR). Keine doppelte Buchführung nötig.
- Volle Kontrolle: Keine Mitgesellschafter, kein Verwaltungsrat, keine Generalversammlung. Du entscheidest allein.
- Geringere Formalitäten: Keine Revisionspflicht, keine Jahresrechnung nach OR 957 ff. (unter CHF 500'000).
- Flexible Gewinnentnahme: Du kannst Geld jederzeit vom Geschäftskonto entnehmen -- es ist ohnehin dein Vermögen.
Nachteile
- Unbeschränkte persönliche Haftung: Du haftest mit deinem gesamten Privatvermögen -- Haus, Ersparnisse, alles.
- Eingeschränkte Namenwahl: Der Firmenname muss deinen Familiennamen enthalten (z.B. «Müller Webdesign»).
- Kein Gesellschafterwechsel möglich: Du kannst keine Anteile verkaufen oder Mitinhaber aufnehmen.
- Steuerliche Nachteile ab hohem Gewinn: Der gesamte Gewinn wird als Einkommen versteuert -- progressive Steuersätze können teuer werden.
- AHV auf den gesamten Gewinn: AHV-Beiträge werden auf den Nettogewinn berechnet (bis 10.6 %), ohne Arbeitgeberbeitrag.
Für wen geeignet?
Die Einzelfirma eignet sich ideal für Freelancer, Berater, Handwerker und Dienstleister, die allein starten, ein überschaubares Haftungsrisiko haben und den Verwaltungsaufwand minimal halten wollen. Besonders bis zu einem Jahresumsatz von ca. CHF 100'000–150'000 ist sie steuerlich und administrativ die unkomplizierteste Lösung.
03GmbH im Detail
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist eine eigenständige juristische Person. Sie trennt dein Privatvermögen vom Geschäftsvermögen und eignet sich für wachsende Unternehmen mit mehreren Beteiligten.
Vorteile
- Beschränkte Haftung: Gesellschafter haften nur mit ihrer Stammeinlage -- dein Privatvermögen bleibt geschützt.
- Freie Namenswahl: Du kannst einen beliebigen Firmennamen wählen, solange er den Zusatz «GmbH» enthält und nicht bereits vergeben ist.
- Mehrere Gesellschafter möglich: Ideal, wenn du mit Partnern gründen willst. Anteile sind im Handelsregister eingetragen.
- Steueroptimierung: Ab einem Gewinn von ca. CHF 100'000–150'000 kann die Kombination aus Gewinnsteuer und Lohn steuerlich günstiger sein als die Einkommenssteuer bei der Einzelfirma.
- Professionelles Auftreten: Eine GmbH wirkt bei Kunden, Lieferanten und Banken oft vertrauenswürdiger.
Nachteile
- Gründungskosten: Notar, Handelsregistereintrag und Bankbestätigung kosten CHF 700–1'500.
- Stammkapital CHF 20'000: Muss bei der Gründung voll einbezahlt und auf ein Sperrkonto eingelegt werden.
- Doppelte Buchhaltung Pflicht: Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang -- ab Tag 1. Deutlich aufwendiger als eine EAR.
- Lohnbuchhaltung: Als Geschäftsführer bist du angestellt. Du musst dir einen Lohn auszahlen und die Sozialversicherungsbeiträge abrechnen.
- Transparenz: Gesellschafter und ihre Anteile sind im Handelsregister öffentlich einsehbar.
Für wen geeignet?
Die GmbH ist die richtige Wahl für Unternehmen mit mehreren Gesellschaftern, höherem Haftungsrisiko oder Gewinnen über CHF 100'000. Sie bietet die Balance zwischen Haftungsschutz und überschaubaren Gründungskosten. Besonders beliebt bei Agenturen, IT-Dienstleistern und Beratungsunternehmen.
04AG im Detail
Die Aktiengesellschaft (AG) ist die flexibelste und kapitalstärkste Rechtsform in der Schweiz. Sie bietet maximale Anonymität für Aktionäre und eignet sich für grössere Vorhaben oder wenn Investoren beteiligt werden sollen.
Vorteile
- Beschränkte Haftung: Aktionäre haften nur mit ihrer Einlage -- kein persönliches Risiko.
- Anonymität: Aktionäre (bei Inhaberaktien nicht mehr, aber bei Namenaktien) müssen nicht im Handelsregister erscheinen. Nur der Verwaltungsrat wird publiziert.
- Kapitalbeschaffung: Aktien können einfach ausgegeben und übertragen werden -- ideal für Investoren und Beteiligungsmodelle.
- Freie Namenswahl: Beliebiger Firmenname mit dem Zusatz «AG».
- Reputation: Die AG geniesst in der Geschäftswelt hohes Ansehen, national wie international.
Nachteile
- Hohe Gründungskosten: Notar, Handelsregister und Bankgebühren kosten CHF 1'500–3'000.
- Aktienkapital CHF 100'000: Davon müssen mindestens CHF 50'000 bei der Gründung einbezahlt (liberiert) werden.
- Doppelte Buchhaltung und mögliche Revisionspflicht: Selbst kleine AGs brauchen eine ordentliche Buchführung. Je nach Grösse kommt eine Revisionsstelle hinzu.
- Verwaltungsrat obligatorisch: Mindestens ein Mitglied mit Wohnsitz in der Schweiz.
- Höherer Verwaltungsaufwand: Generalversammlung, Protokolle, Verwaltungsratsbeschlüsse -- alles formalisiert.
Für wen geeignet?
Die AG ist die passende Rechtsform für kapitalintensive Unternehmen, Startups mit Investorenbeteiligung oder Unternehmen, die langfristig wachsen und Aktien ausgeben wollen. Für Soloselbständige und kleine Teams ist sie in der Regel zu aufwendig und teuer.
05Wann lohnt sich ein Umstieg?
Viele Selbständige starten bewusst als Einzelfirma -- unser Guide zum Selbständig machen in der Schweiz zeigt, wie das geht -- und wechseln erst später zur GmbH oder AG. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Hier die wichtigsten Auslöser:
- Umsatz steigt über CHF 500'000: Ab dieser Schwelle musst du ohnehin eine doppelte Buchhaltung führen. Der administrative Mehraufwand einer GmbH fällt dann kaum noch ins Gewicht.
- Haftungsrisiko wächst: Wenn du in einer risikobehafteten Branche arbeitest (z.B. Beratung, Baugewerbe, Medizin), schützt eine GmbH oder AG dein Privatvermögen.
- Mehrere Gesellschafter geplant: Sobald du Partner ins Unternehmen aufnehmen willst, brauchst du eine Rechtsform, die Anteile ermöglicht.
- Steueroptimierung ab hohem Gewinn: Ab einem Gewinn von ca. CHF 100'000–150'000 kann die Kombination aus Unternehmenssteuern und Lohn günstiger sein als die progressive Einkommenssteuer der Einzelfirma.
06Umwandlung: Von der Einzelfirma zur GmbH
Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, kannst du deine Einzelfirma in eine GmbH umwandeln. Der übliche Weg ist die Sacheinlagegründung: Du bringst das gesamte Geschäftsvermögen deiner Einzelfirma als Sacheinlage in die neue GmbH ein.
Ablauf der Umwandlung
- Inventar und Bewertung: Erstelle eine aktuelle Bilanz deiner Einzelfirma. Alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten müssen bewertet werden.
- Gründung der GmbH beim Notar: Mit den bewerteten Aktiven als Sacheinlage gründest du die GmbH. Der Notar beurkundet die Statuten und den Sacheinlagevertrag.
- Eintrag ins Handelsregister: Die neue GmbH wird eingetragen. Gleichzeitig wird die Einzelfirma gelöscht (falls eingetragen).
- Neues Bankkonto: Die GmbH braucht ein eigenes Geschäftskonto. Das Stammkapital wird auf dieses Konto überwiesen.
- Verträge und Kunden informieren: Bestehende Verträge müssen auf die GmbH übertragen werden. Informiere Kunden, Lieferanten und Versicherungen über den Rechtsformwechsel.
- Sozialversicherungen anpassen: Du bist nun angestellt bei deiner eigenen GmbH. Die AHV-Ausgleichskasse muss informiert werden, und du musst dich als Arbeitgeber registrieren.