Eine der ersten Fragen bei der Gründung einer Einzelfirma: Brauche ich ein separates Geschäftskonto? Gesetzlich vorgeschrieben ist es nicht — aber es gibt gewichtige Gründe, warum du dein Geschäftsgeld vom Privatkonto trennen solltest. In diesem Artikel erfährst du, warum ein eigenes Konto sinnvoll ist, worauf du bei der Wahl achten musst und wie die bekanntesten Schweizer Anbieter im Vergleich abschneiden.
01Warum ein separates Geschäftskonto?
Auch wenn das Schweizer Recht keine Pflicht für ein separates Geschäftskonto bei Einzelfirmen vorsieht, gibt es überzeugende Gründe dafür. Wenn du gerade eine Einzelfirma gründest, solltest du diesen Punkt von Anfang an berücksichtigen:
- Steuerliche Übersicht: Bei einer Steuerprüfung musst du private und geschäftliche Transaktionen sauber trennen können. Mit einem separaten Konto ist das automatisch der Fall — ohne mühsames Herausfiltern auf Kontoauszügen
- Einfachere Buchhaltung: Jede Transaktion auf dem Geschäftskonto ist geschäftlich. Du musst keine privaten Zahlungen aussortieren, was die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung massiv vereinfacht
- Professioneller Auftritt: Kunden überweisen lieber auf ein Konto, das auf einen Geschäftsnamen lautet, als auf ein Privatkonto. Das schafft Vertrauen
- QR-Rechnung: Für QR-Rechnungen brauchst du eine QR-IBAN oder QR-Referenz. Viele Banken bieten das nur mit einem Geschäftskonto an
- Liquiditätsüberblick: Du siehst jederzeit, wie viel Geld im Geschäft vorhanden ist — ohne Privatausgaben, die das Bild verzerren
02Worauf du bei der Wahl achten solltest
Nicht jedes Konto eignet sich gleich gut für Selbständige. Diese Kriterien sind entscheidend:
- Kontoführungsgebühren: Monatliche oder jährliche Grundgebühr — bei manchen Anbietern CHF 0, bei anderen über CHF 300 pro Jahr
- Zahlungsverkehr: Kosten pro Überweisung (national, international), Daueraufträge, LSV/DD
- E-Banking / App: Qualität der mobilen App und des E-Banking, Benutzerfreundlichkeit, Multi-User-Zugang
- QR-Rechnung: Unterstützung von QR-IBAN und QR-Referenzen für den Rechnungsversand
- TWINT Business: Möglichkeit, TWINT-Zahlungen als Geschäftskunde zu empfangen
- Debitkarte / Kreditkarte: Inklusive oder gegen Aufpreis? Maestro, Visa Debit, Mastercard?
- Eröffnungsprozess: Online oder in der Filiale? Dauer? Erforderliche Dokumente?
- Zusatzservices: Buchhaltungsschnittstellen, camt.053-Export, Geschäftskreditkarte, Fremdwährungen
03Anbietervergleich: Geschäftskonten in der Schweiz
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Merkmale der bekanntesten Geschäftskonto-Anbieter für Selbständige und Einzelunternehmen in der Schweiz. Alle Angaben basieren auf den öffentlich verfügbaren Konditionen (Stand: Anfang 2026) und können je nach Kontomodell variieren.
| Anbieter | Grundgebühr/Monat | E-Banking | QR-Rechnung | TWINT Business | Eröffnung |
|---|---|---|---|---|---|
| UBS | ab ca. CHF 25 | Ja (App + Web) | Ja | Ja | Filiale / Online |
| ZKB | ab ca. CHF 15 | Ja (App + Web) | Ja | Ja | Filiale / Online |
| Raiffeisen | ab ca. CHF 10 | Ja (App + Web) | Ja | Ja | Filiale |
| PostFinance | ab ca. CHF 15 | Ja (App + Web) | Ja | Ja | Online / Filiale |
| Neon Business | CHF 0 (Basismodell) | Nur App | Ja | Ja | Komplett online |
| Yuh | CHF 0 | Nur App | Eingeschränkt | Nein | Komplett online |
04Die Anbieter im Detail
UBS
Die UBS bietet verschiedene Geschäftskonto-Modelle an, von einfachen Zahlungskonten bis hin zu umfassenden KMU-Paketen. Für Einzelfirmen ist in der Regel das Basiskonto ausreichend. Vorteile: Grosses Filialnetz, umfassendes E-Banking, breites Kartenangebot. Nachteil: Vergleichsweise höhere Gebühren als bei Neobanken.
Zürcher Kantonalbank (ZKB)
Die ZKB ist für Zürcher Unternehmen eine beliebte Wahl. Sie bietet ein Geschäftskonto mit E-Banking, QR-Rechnungen und TWINT Business. Die Konditionen variieren je nach Paket. Vorteil: Starker regionaler Support, gute E-Banking-Lösung. Nachteil: Nur im Kanton Zürich flächendeckend vertreten.
Raiffeisen
Raiffeisen ist die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz und besonders in ländlichen Regionen stark vertreten. Das Geschäftskonto bietet alle Standard-Funktionen zu moderaten Kosten. Vorteil: Grösstes Filialnetz der Schweiz, persönliche Beratung. Nachteil: Konditionen variieren je nach lokaler Raiffeisenbank.
PostFinance
PostFinance bietet ein solides Geschäftskonto mit starkem E-Banking und Zugang zu PostFinance-Checkout für Online-Zahlungen. Vorteil: Gut ausgebautes E-Banking, grosse Verbreitung, attraktiv für E-Commerce. Nachteil: Limitierte Beratung vor Ort.
Neon Business
Neon bietet ein kostenloses Geschäftskonto (im Basismodell) mit Schweizer IBAN, App-basiertem Banking und QR-Rechnung. Vorteil: Keine Grundgebühr im Basismodell, schnelle Online-Eröffnung, moderne App. Nachteil: Keine Filialen, eingeschränkter Funktionsumfang im Vergleich zu Grossbanken.
Yuh
Yuh (Joint Venture von PostFinance und Swissquote) ist primär als Privatkonto konzipiert, wird aber von manchen Selbständigen als günstiges Geschäftskonto genutzt. Vorteil: Komplett kostenlos, inklusive Debitkarte, integriertes Trading. Nachteil: Kein dediziertes Geschäftskonto, eingeschränkte QR-Rechnungsfunktionen, kein TWINT Business.
05Geschäftskonto eröffnen: So geht's
Die Eröffnung eines Geschäftskontos für eine Einzelfirma ist unkomplizierter als für eine GmbH oder AG, da keine Handelsregistereintragung zwingend ist (unter CHF 100'000 Jahresumsatz). Mit einem Geschäftskonto wird auch die Buchführungspflicht einfacher. Folgende Schritte und Dokumente brauchst du:
Gültiger Ausweis (ID oder Pass), Wohnsitzbestätigung, ggf. Handelsregisterauszug (falls eingetragen), Beschreibung der Geschäftstätigkeit.
Je nach Anbieter online (Neobanken: in wenigen Minuten) oder in der Filiale (Grossbanken: Termin vereinbaren). Bei Online-Eröffnung ist meist ein Video-Ident oder ein Foto des Ausweises nötig.
Geldwäschereigesetz (GwG) verlangt eine Identitätsprüfung. Bei der Filiale persönlich, online via Video-Call oder PostIdent.
IBAN erhalten, E-Banking aktivieren, Debitkarte bestellen. Bei manchen Banken dauert es 3–5 Arbeitstage, bei Neobanken oft nur wenige Stunden.
06Tipps für die optimale Nutzung
- Nur geschäftliche Zahlungen über das Geschäftskonto: Keine privaten Einkäufe, kein Netflix, keine Lebensmittel. Privatbezüge als «Privatbezug» oder «Eigenbedarf» verbuchen und auf das Privatkonto überweisen
- Regelmässig Privatbezüge überweisen: Statt spontan vom Geschäftskonto zu leben, überweise dir einen fixen monatlichen Betrag als «Quasi-Lohn» auf dein Privatkonto. Das erleichtert die Buchhaltung und die Liquiditätsplanung
- Steuerrücklagen separieren: Ideal: Ein separates Sparkonto für Steuer-, AHV- und MWST-Rücklagen. So siehst du sofort, wie viel Geld dir wirklich zur Verfügung steht
- camt.053-Export nutzen: Die meisten Banken bieten den Export von Kontobewegungen im camt.053-Format (ISO 20022). Das ist der Standard für den elektronischen Bankabgleich mit Buchhaltungssoftware
- Kosten im Blick behalten: Vergleiche jährlich, ob dein Kontomodell noch passt. Wenn du wenig Zahlungsverkehr hast, ist ein günstigeres Modell oder ein Wechsel zu einem Neobank-Anbieter sinnvoll
- Mehrere Konten prüfen: Für Fremdwährungen (EUR, USD) lohnt sich ein separates Währungskonto — die Wechselkurse und Gebühren variieren stark zwischen den Anbietern