01Was ist die Saldosteuersatz-Methode?
Die Mehrwertsteuer in der Schweiz wird normalerweise auf die Differenz zwischen deinen Einnahmen und deinen Vorsteuern berechnet – das nennt sich die effektive Methode. Die Saldosteuersatz-Methode (SSS) ist eine vereinfachte Alternative, bei der du pauschal einen vordefinierten Prozentsatz deines Umsatzes an die ESTV abführst.
Du rechnest also nicht jede einzelne Vorsteuer gegen – sondern zahlst einen fixen, branchenspezifischen Satz. Dieser Satz ist bereits so kalkuliert, dass er die durchschnittlichen Vorsteuern deiner Branche berücksichtigt.
02Wer kann die Saldosteuersatz-Methode anwenden?
Die Methode ist nicht für jeden zugänglich. Die ESTV legt klare Bedingungen fest:
- Dein Jahresumsatz übersteigt nicht CHF 5.02 Millionen
- Die jährliche MWST-Schuld beträgt nicht mehr als CHF 109'000
- Du bist seit mindestens einem Jahr MWST-pflichtig
- Für deinen Tätigkeitsbereich existiert ein definierter Saldosteuersatz
Voraussetzung ist natürlich, dass du die MWST-Pflicht ab CHF 100'000 erfüllst. Wenn du die Bedingungen erfüllst, musst du die Methode bei der ESTV beantragen. Nach Genehmigung bist du für mindestens ein Jahr daran gebunden.
03Wie wird die MWST berechnet?
Die Berechnung ist deutlich einfacher als bei der effektiven Methode. Du brauchst nur deinen Bruttoumsatz (inkl. MWST) und deinen Saldosteuersatz:
Formel: MWST-Schuld = Bruttoumsatz x Saldosteuersatz. Beispiel: Webdesigner, Umsatz CHF 80'000 brutto – MWST-Schuld = CHF 80'000 x 5.9% = CHF 4'720.
Die Abrechnung bei der ESTV erfolgt halbjährlich – du gibst deinen Umsatz an und zahlst den berechneten Betrag. Keine Sammlung von Vorsteuern, keine komplizierte Buchführung.
04Saldosteuersatz vs. Effektive Methode
Beide Methoden haben ihre Berechtigung. Hier der direkte Vergleich:
| Kriterium | Saldosteuersatz | Effektive Methode |
|---|---|---|
| Aufwand | Sehr gering | Mittel bis hoch |
| Vorsteuern geltend machen | Nicht möglich | Ja, vollständig |
| Abrechnung | Halbjährlich | Quartalsweise |
| Vorteil bei viel Material/Waren | Nein | Ja |
| Vorteil bei Dienstleistungen | Oft ja | Situationsabhängig |
| Bindungsdauer | 1 Jahr mind. | Flexibel |
05Die wichtigsten Saldosteuersätze 2026
Die ESTV hat für alle gängigen Branchen einen spezifischen Satz definiert. Hier die relevantesten für Schweizer Selbständige:
| Branche / Tätigkeit | Saldosteuersatz |
|---|---|
| Unternehmensberatung, Coaching, Treuhand | 5.9% |
| IT, Webentwicklung, Softwareentwicklung | 5.9% |
| Architekt, Ingenieur, Planer | 5.9% |
| Grafikdesign, Werbung, Marketing | 5.9% |
| Fotograf, Kameramann | 4.4% |
| Therapeut, Physiotherapeut | 2.0% |
| Elektriker, Sanitär, Handwerk | 3.7% – 5.2% |
| Restaurants, Cafés | 5.1% |
06Konkretes Rechenbeispiel
Angenommen du bist selbständige Beraterin mit CHF 120'000 Jahresumsatz (exkl. MWST). So sieht der Vergleich aus:
Scenario A – Saldosteuersatz (5.9%): Umsatz exkl. MWST: CHF 120'000. MWST auf Rechnungen (8.1%): +CHF 9'720. Bruttoumsatz: CHF 129'720. MWST-Schuld (5.9%): -CHF 7'653. Behaltene MWST-Differenz: +CHF 2'067.
Scenario B – Effektive Methode: MWST eingenommen (8.1%): CHF 9'720. Vorsteuer (z.B. CHF 15'000 Kosten x 8.1%): -CHF 1'215. MWST-Schuld: -CHF 8'505.
In diesem Beispiel ist die Saldosteuersatz-Methode günstiger – du behältst CHF 2'067 mehr. Ein detailliertes Praxisbeispiel mit einzly findest du in unserem separaten Artikel. Je höher deine abzugsfähigen Vorsteuern sind (Bürogeräte, Materialkosten, Miete), desto eher lohnt sich die effektive Methode.