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Abschreibungen für Selbständige: Sätze, Methoden & Praxis-Beispiele

Welche Abschreibungssätze gelten in der Schweiz? Degressiv oder linear? Alle offiziellen ESTV-Sätze, Berechnungsbeispiele und Praxis-Tipps für Selbständige.

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einzly Redaktion
Steuer- & Finanzredaktion
8 Min. Lesezeit
5. Feb. 2026

01Was sind Abschreibungen?

Wenn du als Selbständiger eine Anschaffung tätigst, die du über mehrere Jahre nutzt — etwa einen Computer, ein Fahrzeug oder Büromöbel — darfst du die Kosten nicht auf einmal als Ausgabe verbuchen. Stattdessen verteilst du den Kaufpreis über die Nutzungsdauer des Gegenstands. Diese jährliche Wertminderung nennt man Abschreibung.

Abschreibungen gelten nur für Anlagegüter mit einer mehrjährigen Nutzungsdauer. Verbrauchsmaterialien wie Papier, Druckerpatronen oder Büroklammern sind sofortige Betriebsausgaben und werden direkt im Jahr des Kaufs verbucht.

Der Vorteil: Durch die Abschreibung reduzierst du jedes Jahr deinen steuerbaren Gewinn. Das senkt deine Steuerlast über die gesamte Lebensdauer des Anlageguts — ein wichtiger Hebel, um Steuern zu sparen.



02Offizielle Abschreibungssätze (ESTV)

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) legt im Merkblatt A1995 die maximal zulässigen Abschreibungssätze fest. Diese Sätze sind Höchstsätze — du darfst weniger abschreiben, aber nicht mehr.

AnlagekategorieDegressiv (Buchwert)Linear (Anschaffungswert)
Computer / EDV-Anlagen40%20%
Fahrzeuge40%20%
Mobiliar / Einrichtungen25%12.5%
Maschinen / Apparate30%15%
Werkzeuge45%22.5%
FaustregelDer lineare Satz entspricht ungefähr der Hälfte des degressiven Satzes. Der degressive Satz wird auf den Buchwert (Restwert) angewendet, der lineare auf den ursprünglichen Anschaffungswert.


03Degressiv vs. Linear

In der Schweiz stehen dir zwei Abschreibungsmethoden zur Verfügung. Du darfst frei wählen, solltest die Methode aber innerhalb einer Anlagekategorie beibehalten.

Degressive Abschreibung

Bei der degressiven Methode wird der Abschreibungssatz auf den jeweiligen Buchwert (Restwert) angewendet. Das bedeutet: Im ersten Jahr ist die Abschreibung am höchsten und nimmt dann von Jahr zu Jahr ab. Diese Methode ist in der Schweiz am weitesten verbreitet.

Beispiel: MacBook für CHF 2'500, degressiv 40%:

JahrBuchwert AnfangAbschreibung 40%Buchwert Ende
1CHF 2'500CHF 1'000CHF 1'500
2CHF 1'500CHF 600CHF 900
3CHF 900CHF 360CHF 540
4CHF 540CHF 216CHF 324

Nach 4 Jahren steht das MacBook noch mit CHF 324 in den Büchern. Der Buchwert erreicht bei der degressiven Methode nie exakt null — das Gut bleibt mit einem kleinen Restwert im Anlagevermögen, bis es verkauft oder ausgebucht wird.

Lineare Abschreibung

Bei der linearen Methode wird jedes Jahr derselbe Betrag abgeschrieben, berechnet auf den ursprünglichen Anschaffungswert.

Beispiel: Dasselbe MacBook für CHF 2'500, linear 20%: CHF 2'500 × 20% = CHF 500 pro Jahr, gleichmässig über 5 Jahre. Nach 5 Jahren ist der Buchwert CHF 0.

Welche Methode wählen?Die degressive Methode lohnt sich, wenn du in den ersten Jahren möglichst viel Steuerersparnis erzielen willst. Die lineare Methode ist einfacher zu berechnen und verteilt die Belastung gleichmässig.


04Sofortabschreibung

Kleinere Anschaffungen kannst du unter Umständen sofort abschreiben — also den gesamten Betrag im Kaufjahr als Aufwand verbuchen. Die Schwelle variiert je nach Kanton und liegt in der Regel zwischen CHF 100 und CHF 1'000.

In der Praxis akzeptieren viele Steuerbehörden eine Sofortabschreibung für Gegenstände unter ca. CHF 1'000. Das betrifft z.B. eine günstige Tastatur, einen Monitor oder ein Headset. Der Verwaltungsaufwand einer mehrjährigen Abschreibung stünde hier in keinem Verhältnis zum Betrag.

Kantonal unterschiedlichDie genaue Grenze für die Sofortabschreibung ist nicht eidgenössisch einheitlich geregelt. Informiere dich bei deiner kantonalen Steuerverwaltung über die geltende Praxis.


05Was kann NICHT abgeschrieben werden?

Nicht jede Ausgabe ist eine Abschreibung. Die folgenden Kosten sind laufende Betriebsausgaben, die du direkt im Jahr des Anfalls verbuchst — sie werden nicht über mehrere Jahre verteilt:

  • Miete: Büromiete oder Homeoffice-Anteil sind laufende Kosten, keine Abschreibungen
  • Versicherungsprämien: Berufshaftpflicht, Krankentaggeld etc. sind jährliche Betriebsausgaben
  • Verbrauchsmaterial: Papier, Tinte, Druckerpatronen, Büromaterial — sofortiger Aufwand
  • Abonnemente: Software-Abos, Cloud-Dienste, Mobilfunk — monatliche oder jährliche Kosten, keine Investitionen

Der Unterschied ist einfach: Abgeschrieben werden nur Anlagegüter, die du einmal kaufst und über mehrere Jahre nutzt. Alles, was du laufend bezahlst oder verbrauchst, ist ein normaler Betriebsaufwand.


Anschaffungen in einzly erfassenIn einzly erfasst du Anschaffungen direkt als Ausgabe. Den Abschreibungsbetrag trägst du jährlich ein — einfach und übersichtlich.


06Häufige Fragen zu Abschreibungen

Gemäss ESTV Merkblatt A1995 fällt ein Laptop unter die Kategorie Computer/EDV-Anlagen: 40% degressiv (auf den Buchwert) oder 20% linear (auf den Anschaffungswert). Das sind Höchstsätze — du darfst auch weniger abschreiben.
Bei der degressiven Methode wird der Prozentsatz auf den verbleibenden Buchwert angewendet — die Abschreibung ist anfangs höher und nimmt ab. Bei der linearen Methode wird jedes Jahr der gleiche Betrag abgeschrieben, berechnet auf den ursprünglichen Anschaffungswert.
Ja, viele Kantone erlauben eine Sofortabschreibung für Gegenstände unter CHF 100 bis CHF 1'000. Die genaue Grenze ist kantonal unterschiedlich. In der Praxis werden Anschaffungen unter ca. CHF 1'000 oft akzeptiert.
Die ESTV-Sätze sind Höchstsätze. Du darfst weniger abschreiben als angegeben, aber nicht mehr. Die Sätze sind im Merkblatt A1995 der Eidgenössischen Steuerverwaltung definiert.
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