Jonas Meier (ein erfundenes Beispiel) hat vor drei Monaten seine Schreinerei-GmbH gegründet. Beim ersten Treffen sagt der Treuhänder: «Die Kundenzahlung buchen wir dann 1020 an 1100.» Jonas nickt und versteht kein Wort. Zuhause googelt er «Soll und Haben» und landet in einem Lehrbuch für Kaufleute.
Dabei ist das Prinzip einfacher, als es klingt. Hier ist es, ohne Lehrbuchdeutsch.
01Das Prinzip in einem Satz
Jeder Franken kommt irgendwoher und geht irgendwohin. Deshalb berührt jede Buchung immer zwei Konten: eines im Soll (links) und eines im Haben (rechts), mit demselben Betrag. Darum heisst es «doppelte» Buchhaltung, und darum gehen am Ende Soll und Haben immer genau auf.
Ein Buchungssatz liest sich immer gleich: Soll-Konto an Haben-Konto, Betrag. «1020 an 1100» heisst also: Auf dem Konto 1020 (Bank) steht der Betrag im Soll, auf 1100 (Forderungen) im Haben.
02Die vier Kontenarten
Ob ein Betrag ins Soll oder ins Haben gehört, hängt nur davon ab, welche Art Konto es ist. Der Schweizer Kontenrahmen KMU ordnet alle Konten so: Vermögen und Aufwand stehen auf der Soll-Seite, Schulden, Eigenkapital und Ertrag auf der Haben-Seite.
| Kontenart | Beispiele | Zunahme | Abnahme |
|---|---|---|---|
| Aktiven (was die Firma hat) | Bank, Kasse, Forderungen gegenüber Kunden | Soll | Haben |
| Passiven (was die Firma schuldet, inkl. Eigenkapital) | Lieferantenschulden, geschuldete MWST, Stammkapital | Haben | Soll |
| Aufwand (was die Firma verbraucht) | Material, Miete, Löhne, Büromaterial | Soll | Haben (nur bei Korrekturen) |
| Ertrag (was die Firma verdient) | Erlöse aus Arbeiten und Verkäufen | Haben | Soll (nur bei Korrekturen) |
03Vier Buchungen aus Jonas' Alltag
1. Jonas stellt eine Rechnung
Er baut einer Kundin einen Einbauschrank und verrechnet CHF 2'000 plus 8.1 % MWST, total CHF 2'162. Noch ist kein Geld geflossen, aber die Kundin schuldet ihm den Betrag. Seine Forderungen wachsen (Aktiven, also Soll), sein Ertrag wächst (Haben), und die MWST schuldet er dem Bund (Passiven, also Haben).
| Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|
| 1100 Forderungen Schweiz | 3400 Bruttoerlöse Dienstleistung | CHF 2'000.00 |
| 1100 Forderungen Schweiz | 2200 Geschuldete MWST | CHF 162.00 |
2. Die Kundin bezahlt
Zwei Wochen später sind die CHF 2'162 auf dem Bankkonto. Die Bank wächst (Soll), die Forderung ist erledigt und nimmt ab (Haben). Das ist genau der Satz, den Jonas nicht verstanden hat.
| Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|
| 1020 Bank (Kontokorrent) | 1100 Forderungen Schweiz | CHF 2'162.00 |
3. Eine Rechnung für Büromaterial trifft ein
Jonas bestellt Ordner und Druckerpapier für CHF 100 plus MWST, total CHF 108.10, auf Rechnung. Der Aufwand wächst (Soll), die Vorsteuer, die er vom Bund zurückholt, ebenfalls (Soll). Dafür schuldet er dem Lieferanten den ganzen Betrag (Haben).
| Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|
| 6500 Büromaterial | 2004 Verbindlichkeiten für übrigen betrieblichen Aufwand | CHF 100.00 |
| 1171 Vorsteuer übriger Betriebsaufwand | 2004 Verbindlichkeiten für übrigen betrieblichen Aufwand | CHF 8.10 |
4. Jonas bezahlt den Lieferanten
Die Schuld beim Lieferanten nimmt ab (Soll), das Geld auf der Bank auch (Haben).
| Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|
| 2004 Verbindlichkeiten für übrigen betrieblichen Aufwand | 1020 Bank (Kontokorrent) | CHF 108.10 |
Vier Vorgänge, sechs Buchungszeilen. In jeder Zeile steht derselbe Betrag einmal links und einmal rechts. Rechne nach: Soll und Haben ergeben zusammen je CHF 4'540.20.
04Wo es im Alltag schwierig wird
Das Prinzip ist simpel. Kompliziert wird es an drei Stellen:
- Das richtige Konto finden. Der Kontenrahmen KMU hat Hunderte Konten. Ist die Druckerpatrone Büromaterial oder Informatikaufwand? Die Vorsteuer auf Material oder auf übrigem Aufwand?
- Die MWST aufteilen. Jede Rechnung mit MWST braucht eine zusätzliche Zeile, und je nach Methode sieht sie anders aus.
- Der Lohn. Bruttolohn, AHV-, ALV- und BVG-Abzüge, Arbeitgeberbeiträge: Aus einer einzigen Lohnzahlung werden schnell fünf bis acht Buchungszeilen.
Genau hier passieren die Fehler, die der Treuhänder am Jahresende teuer korrigiert.
05So geht es in einzly Business: Was ist passiert?
In einzly Business schreibst du keine Buchungssätze. Du sagst nur, was passiert ist, und einzly macht daraus die richtigen Zeilen im Soll und im Haben, nach Kontenrahmen KMU und mit der MWST.
| Was du in einzly tust | Was einzly bucht |
|---|---|
| Rechnung erstellen und versenden | Forderung, Erlös und geschuldete MWST (Beispiel 1) |
| Bankauszug einlesen, Zahlung der Rechnung zuordnen | Bank an Forderungen (Beispiel 2) |
| Lieferantenrechnung fotografieren und erfassen | Aufwand und Vorsteuer an Lieferantenschuld (Beispiel 3) |
| «Lieferant bezahlt» | Lieferantenschuld an Bank (Beispiel 4) |
| «Lohn ausbezahlt» | Bruttolohn, Abzüge und Arbeitgeberbeiträge auf den richtigen Konten |
| «Dividende ausgeschüttet» | Gewinnverwendung, Verrechnungssteuer und Auszahlung |
Mehr dazu, wie die Ereignisse funktionieren, steht im Beitrag Doppelte Buchhaltung für GmbH & AG. Was du sonst noch selbst erledigen kannst, zeigt GmbH-Buchhaltung selber machen.
06Quellen und Rechtsgrundlagen
- Obligationenrecht (OR, SR 220): Art. 957 (Pflicht zur doppelten Buchhaltung für juristische Personen). Fedlex, abgerufen 22.10.2026
- Mehrwertsteuergesetz (MWSTG, SR 641.20): Art. 25 (Normalsatz 8.1 %)
- Schweizer Kontenrahmen KMU, Mattle/Helbling/Pfaff, Verlag SKV, 2. Auflage 2023, S. 23 (Übersicht der Kontenklassen nach Soll und Haben), S. 24–26, 35, 43 und 61 (Konten 1020, 1100, 1171, 2004, 2200, 3400, 6500)