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Nebenerwerb korrekt versteuern in der Schweiz

Ab wann ist ein Nebenerwerb steuerpflichtig? AHV-Beiträge, Einkommenssteuer, MWST und Buchhaltungspflicht — alles was du als Nebenerwerbstätige/r in der Schweiz wissen musst.

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einzly Redaktion
Steuer- & Finanzredaktion
7 Min. Lesezeit
2. März 2026

01Hobby oder Gewerbe? Die Abgrenzung

Nicht jede Nebentätigkeit ist automatisch ein steuerpflichtiger Nebenerwerb. Die Steuerbehörden unterscheiden klar zwischen einem Hobby und einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Die Abgrenzung hat weitreichende Konsequenzen — sowohl steuerlich als auch sozialversicherungsrechtlich.

Die Steuerverwaltung prüft folgende Kriterien, um einen Nebenerwerb als selbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren:

  • Gewinnabsicht: Du erzielst regelmässig Einnahmen und willst damit Geld verdienen — nicht nur Kosten decken
  • Planmässiges Vorgehen: Du trittst am Markt auf, hast Kunden, stellst Rechnungen aus oder bietest Leistungen öffentlich an
  • Auf eigene Rechnung und Risiko: Du trägst das unternehmerische Risiko selbst (z.B. Forderungsausfälle, Materialeinsatz)
  • Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr: Du bietest Dienstleistungen oder Waren einem breiteren Publikum an, nicht nur gelegentlich einem Bekannten
  • Regelmässigkeit: Die Tätigkeit erfolgt nicht einmalig, sondern wiederholt über einen längeren Zeitraum
RechtsgrundlageGemäss Art. 18 DBG (Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer) sind alle Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit steuerbar — auch wenn sie nebenberuflich erzielt werden. Die Abgrenzung zum Hobby erfolgt anhand der oben genannten Kriterien.

Beispiel Hobby: Du strickst gelegentlich Schals und verkaufst einmal im Jahr drei Stück am Weihnachtsmarkt für insgesamt CHF 150. Das ist ein Hobby — keine steuerpflichtige Erwerbstätigkeit.

Beispiel Gewerbe: Du bietest abends und am Wochenende Grafikdesign-Dienstleistungen an, hast eine Website, stellst Rechnungen und erzielst CHF 12'000 pro Jahr. Das ist ein Nebenerwerb und unterliegt der Steuerpflicht.



02AHV-Pflicht: Ab CHF 2'300 pro Arbeitgeber

Die AHV-Beitragspflicht bei Nebenerwerb hängt davon ab, ob du unselbständig oder selbständig nebenerwerbstätig bist. Die Regeln sind unterschiedlich:

SituationAHV-PflichtRechtsgrundlage
Unselbständiger Nebenjob (Anstellung)Ja, ab CHF 2'300/Jahr pro ArbeitgeberAHVG Art. 34d
Nebenjob im PrivathaushaltJa, ab dem ersten Franken (kein Freibetrag)AHVG Art. 34d Abs. 4
Selbständiger NebenerwerbJa, ab CHF 2'300 Nettoeinkommen/Jahr totalAHVG Art. 8 + 9
Selbständig mit weniger als CHF 2'300/JahrFreiwillig (kein Obligatorium)AHVV Art. 19

Für die meisten Nebenerwerbstätigen gilt: Sobald du jährlich mehr als CHF 2'300 verdienst, sind AHV/IV/EO-Beiträge geschuldet. Bei unselbständigem Nebenerwerb teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge (je 5.3%). Bei selbständigem Nebenerwerb trägst du die Beiträge allein.

Achtung: Freibetrag gilt pro ArbeitgeberDer Freibetrag von CHF 2'300 gilt pro Arbeitgeber, nicht insgesamt. Wenn du bei zwei Arbeitgebern je CHF 2'000 verdienst (total CHF 4'000), sind trotzdem keine AHV-Beiträge geschuldet — weil du bei keinem einzelnen Arbeitgeber die Grenze erreichst. Anders bei selbständigem Nebenerwerb: Dort zählt das Gesamteinkommen.

Als selbständig Nebenerwerbstätiger musst du dich bei der kantonalen Ausgleichskasse anmelden. Dein Nebeneinkommen wird zusammen mit dem eventuell vorhandenen Haupteinkommen aus Selbständigkeit für die AHV-Berechnung herangezogen.



03Einkommenssteuer auf Nebeneinkünfte

Nebeneinkünfte sind in der Schweiz vollständig steuerpflichtig — unabhängig von ihrer Höhe. Es gibt keinen steuerfreien Freibetrag für Nebenerwerb. Dein Nebeneinkommen wird zu deinem übrigen Einkommen (Haupterwerb, Vermögenserträge etc.) addiert und gemeinsam besteuert.

Da die Schweizer Einkommenssteuer progressiv ist, wird dein Nebeneinkommen zum höchsten Grenzsteuersatz besteuert. Das bedeutet: Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Nebenerwerb werden prozentual stärker belastet als das Grundeinkommen.

Praktisches Beispiel:

PositionBetrag
Einkommen Haupterwerb (Lohn)CHF 75'000
Nettoeinkommen NebenerwerbCHF 15'000
Total steuerbares EinkommenCHF 90'000
Grenzsteuersatz (Beispiel Kt. ZH)ca. 30%
Zusätzliche Steuer auf Nebenerwerbca. CHF 4'500

In der Steuererklärung deklarierst du den Nebenerwerb je nach Art unterschiedlich:

  • Unselbständiger Nebenerwerb: Du erhältst einen separaten Lohnausweis, den du in der Steuererklärung aufführst
  • Selbständiger Nebenerwerb: Du füllst das Formular für selbständige Erwerbstätigkeit aus (Hilfsblatt oder Fragebogen je nach Kanton) und erstellst eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
Geschäftskosten abziehenBei selbständigem Nebenerwerb darfst du alle geschäftlich begründeten Ausgaben vom Nebeneinkommen abziehen: Arbeitsmaterial, Software, anteilige Kosten für Homeoffice, Weiterbildung, Fahrtkosten etc. Das senkt dein steuerbares Nebeneinkommen — und damit die Steuerlast.


04MWST-Relevanz beim Nebenerwerb

Auch beim Nebenerwerb kann die Mehrwertsteuer relevant werden. Die MWST-Pflicht knüpft an den weltweiten Jahresumsatz an — unabhängig davon, ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird.

Die Schwelle liegt bei CHF 100'000 Jahresumsatz (Art. 10 MWSTG). Alle Details dazu findest du im Artikel zur MWST-Pflicht ab CHF 100'000. Bei den meisten Nebenerwerbstätigen wird diese Grenze nicht erreicht. Aber Vorsicht bei folgenden Szenarien:

  • Kombination Haupt- + Nebenerwerb: Wenn du sowohl im Haupterwerb als auch im Nebenerwerb selbständig bist, werden beide Umsätze zusammengerechnet. Beispiel: CHF 70'000 als Fotograf (Haupterwerb) + CHF 35'000 Online-Shop (Nebenerwerb) = CHF 105'000 → MWST-pflichtig
  • Hoher Nebenumsatz: Wer im Nebenerwerb allein CHF 100'000 oder mehr umsetzt (z.B. erfolgreicher Online-Handel), ist MWST-pflichtig
  • Freiwillige Registrierung: Auch unter CHF 100'000 Umsatz kannst du dich freiwillig registrieren — z.B. um Vorsteuern auf grössere Anschaffungen geltend zu machen
Tipp für B2B-NebenerwerbstätigeWenn deine Nebenerwerbs-Kunden hauptsächlich Unternehmen sind, kann eine freiwillige MWST-Registrierung professioneller wirken. Deine B2B-Kunden können die MWST als Vorsteuer abziehen — für sie macht es keinen Preisunterschied, aber du wirkst seriöser.


05Buchhaltungspflicht bei Nebenerwerb

Ob du im Nebenerwerb eine Buchhaltung führen musst, hängt von der Art und dem Umfang deiner Tätigkeit ab:

SituationPflicht
Unselbständiger NebenjobKeine Buchhaltungspflicht (Lohnausweis genügt)
Selbständiger Nebenerwerb unter CHF 500'000 UmsatzEinnahmen-Ausgaben-Rechnung (vereinfachte Buchhaltung) gemäss OR Art. 957 Abs. 2
Selbständiger Nebenerwerb ab CHF 500'000 UmsatzOrdentliche Buchhaltung mit doppelter Buchführung gemäss OR Art. 957 Abs. 1
MWST-pflichtig (egal welcher Umsatz)Aufzeichnungen müssen MWST-konform sein (Vorsteuer/Umsatzsteuer nachvollziehbar)

Für die meisten Nebenerwerbstätigen reicht eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Darin listest du alle Einnahmen und geschäftlichen Ausgaben chronologisch auf und berechnest den Gewinn als Differenz.

Unabhängig von der Pflicht empfiehlt es sich, alle Belege aufzubewahren — mindestens 10 Jahre lang (OR Art. 958f). Bei einer Steuerprüfung musst du jeden deklarierten Abzug belegen können.

einzly für den NebenerwerbMit einzly führst du deine Nebenerwerbs-Buchhaltung in wenigen Minuten pro Monat. Einnahmen und Ausgaben erfassen, Belege fotografieren, fertig. Am Jahresende hast du eine saubere Einnahmen-Ausgaben-Rechnung für die Steuererklärung — ohne Treuhänder.


06Auswirkung auf den Hauptarbeitgeber

Eine Frage, die viele beschäftigt: Darf ich überhaupt einen Nebenerwerb ausüben, wenn ich angestellt bin? Grundsätzlich ja — das Schweizer Arbeitsrecht erlaubt Nebenerwerb. Aber es gibt wichtige Einschränkungen:

  • Treuepflicht (OR Art. 321a): Du darfst deinem Arbeitgeber nicht konkurrenzieren. Ein Nebenerwerb in der gleichen Branche mit denselben Kunden ist problematisch
  • Arbeitsvertrag prüfen: Viele Arbeitsverträge enthalten eine Klausel zur Nebenbeschäftigung. Häufig ist eine Meldepflicht oder sogar eine Bewilligungspflicht vorgesehen
  • Arbeitszeit und Ruhezeit: Das Arbeitsgesetz (ArG) schreibt Ruhezeiten vor. Dein Nebenerwerb darf nicht dazu führen, dass du die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten überschreitest (max. 45 bzw. 50 Stunden/Woche je nach Branche)
  • Krankentaggeld / UVG: Bei einem Unfall im Nebenerwerb kann die Unfallversicherung des Hauptarbeitgebers involviert sein. Kläre die Versicherungssituation ab
Informiere deinen ArbeitgeberAuch wenn dein Arbeitsvertrag keine explizite Meldepflicht enthält, empfiehlt es sich, den Arbeitgeber über den Nebenerwerb zu informieren. Transparenz verhindert spätere Konflikte und schützt dich rechtlich — insbesondere wenn du in einem verwandten Bereich tätig bist.

Steuerlich hat der Nebenerwerb keine direkte Auswirkung auf den Hauptarbeitgeber. Der Arbeitgeber zieht weiterhin die üblichen Sozialversicherungsbeiträge auf deinen Lohn ab. Dein Nebeneinkommen deklarierst du separat in der Steuererklärung.



07Praktisches Beispiel: Nebenerwerb als Webdesigner

Marco arbeitet 80% als Angestellter in einem Büro (Jahreslohn CHF 68'000). Abends und am Wochenende erstellt er als Freelancer Websites -- ähnlich wie viele, die sich über Freelancer-Steuern informieren. Sein Nebeneinkommen beträgt CHF 18'000 pro Jahr. So sieht seine steuerliche Situation aus:

1
Einnahmen und Ausgaben

Einnahmen Nebenerwerb: CHF 18'000. Abzugsfähige Kosten (Software-Abos, Hosting, anteilig Homeoffice, Weiterbildung): CHF 3'200. Nettoeinkommen Nebenerwerb: CHF 14'800.

2
AHV-Beiträge auf Nebenerwerb

Da Marco im Haupterwerb angestellt ist und dort bereits AHV-Beiträge auf CHF 68'000 bezahlt, muss er auf den selbständigen Nebenerwerb zusätzlich AHV zahlen. Beitragssatz auf CHF 14'800: ca. 5.371% = CHF 795/Jahr.

3
Einkommenssteuer

Marcos steuerbares Gesamteinkommen: CHF 68'000 + CHF 14'800 – CHF 795 (AHV-Abzug) = CHF 82'005. Bei einem Grenzsteuersatz von ca. 28% (Beispiel Kt. Zürich) zahlt er auf den Nebenerwerb zusätzlich ca. CHF 3'920 Steuern.

4
MWST

Mit CHF 18'000 Umsatz ist Marco weit unter der MWST-Grenze von CHF 100'000. Keine MWST-Pflicht.

5
Netto-Ergebnis

Von CHF 18'000 Einnahmen bleiben nach Geschäftskosten (CHF 3'200), AHV (CHF 795) und Steuern (CHF 3'920) rund CHF 10'085 netto übrig — also ca. 56% der Einnahmen.

FazitAls Nebenerwerbstätiger solltest du mit einer Steuer- und Abgabenbelastung von 35–45% auf den Nebengewinn rechnen. Je höher dein Gesamteinkommen, desto höher der Grenzsteuersatz auf den Nebenerwerb. Plane entsprechende Reserven ein.


08Häufige Fragen zum Nebenerwerb versteuern

In der Schweiz gibt es keinen steuerfreien Freibetrag für Nebeneinkünfte. Jeder Franken Nebenerwerb ist grundsätzlich steuerpflichtig und muss in der Steuererklärung deklariert werden. Bei der AHV gilt hingegen eine Freigrenze von CHF 2'300 pro Jahr (pro Arbeitgeber bei unselbständiger Tätigkeit).
Ja, wenn du selbständig nebenerwerbstätig bist und mehr als CHF 2'300 pro Jahr verdienst. Die Anmeldung erfolgt bei der kantonalen Ausgleichskasse deines Wohnkantons. Bei unselbständigem Nebenerwerb kümmert sich der Arbeitgeber um die AHV-Abrechnung.
Nicht zwingend. Als Einzelperson kannst du selbständig erwerbstätig sein, ohne eine Firma zu gründen. Du agierst dann als Einzelunternehmen unter deinem eigenen Namen. Ein Eintrag im Handelsregister ist erst ab CHF 100'000 Jahresumsatz obligatorisch (OR Art. 934). Darunter ist er freiwillig, kann aber die Glaubwürdigkeit erhöhen.
Ja, sofern dein Nebenerwerb steuerlich als selbständige Erwerbstätigkeit qualifiziert wird (und nicht als Hobby). Verluste aus selbständiger Tätigkeit dürfen mit dem übrigen Einkommen verrechnet werden — das senkt dein steuerbares Gesamteinkommen und damit die Steuerlast. Voraussetzung: Du musst eine saubere Buchhaltung führen, die den Verlust belegt.
Bei unselbständigem Nebenerwerb trägst du den zusätzlichen Lohnausweis in der Steuererklärung ein. Bei selbständigem Nebenerwerb füllst du das Formular für selbständige Erwerbstätigkeit aus und legst eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bei. einzly erstellt dir diese EAR automatisch — du kannst sie direkt als Beilage zur Steuererklärung verwenden.
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